Erster Unverpackt-Laden in Rostock

Die Bio-Kogge verkauft unverpackte Lebensmittel sowie regionales Obst und Gemüse in der KTV

31. März 2017, von
Norman Reuter eröffnet den ersten Unverpackt-Laden in Rostock
Norman Reuter eröffnet den ersten Unverpackt-Laden in Rostock

Morgen öffnet Rostocks erster Unverpackt-Laden. Wer in der Bio-Kogge im Friedhofsweg/Ecke Feldstraße einkaufen möchte, kann sich seine Gefäße selbst mitbringen und vermeidet so Verpackungsmüll. Denn Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte, Müsli, Kakao, Gewürze und noch einige andere Lebensmittel werden hier unverpackt in großen Spendern angeboten, aus denen sich der Kunde die gewünschte Menge mitnehmen kann. Für Spontaneinkäufer hält Ladeninhaber Norman Reuter Mehrweggläser und Papiertüten zum Mitnehmen bereit. Plastikmüll – so sein Ziel – soll möglichst vermieden werden. „Viele füllen sich diese Produkte zu Hause sowieso um“, meint der 37-jährige studierte Biologe, der sich nun im Einzelhandel seine Bio-Brötchen verdienen möchte.

Ganz ohne Plastik kommt die Bio-Kogge dann aber doch nicht aus. Denn zum Konzept des neuen Bio-Ladens gehört es auch, frische Produkte der Saison und aus der Region anzubieten, die den täglichen Lebensmittelbedarf abdecken sollen. Neben Obst und Gemüse hat Norman Reuter deshalb auch Milch, Käse und Fleisch in sein Sortiment aufgenommen. „Bei Fleisch ist es noch sehr schwierig auf Plastikverpackungen zu verzichten, weil die Lebensmittelauflagen so hoch sind. Dafür benötigt man eine große Frischetheke oder das Fleisch wird in Plastik vakumiert. Für viele Produzenten ist das die günstigere Variante, die sich auch im Preis widerspiegelt“, erklärt er und hofft auf ein baldiges Umdenken.

Kunden wiegen erst das leere Mehrweggefäß ab und füllen sich dann die gewünschte Menge ein.
Kunden wiegen erst das leere Mehrweggefäß ab und füllen sich dann die gewünschte Menge ein.

„Das Optimum ist es gar keinen Müll zu erzeugen“, sagt der frisch gebackene Ladenbesitzer und schwärmt von seinem Vorbild, dem Kieler Unverpackt-Laden, der vor drei Jahren der erste seiner Art in Deutschland war. Um 80 bis 90 Prozent konnte der Verpackungsmüll dort schon reduziert werden. „Es ist möglich, die Leute müssen nur dazu bereit sein. Auch die Hersteller müssen mitziehen.“

Bisher beschränkten sich die Möglichkeiten in Rostock unverpackt zu kaufen, vor allem auf die Wochenmärkte. „Aber, wenn man arbeitet, schafft man die Marktzeiten kaum“, wendet Susanne Kreutzer ein, die ehrenamtlich in der Bio-Kogge aushilft. Dienstags und Donnerstag soll das Geschäft daher nicht bis 18, sondern bis 19 Uhr für die Späteinkäufer geöffnet bleiben.

Sie freut sich einen Laden zu haben, in dem man – anders als im Supermarkt – in Luft und Licht einkaufen kann. „Viele, und ich eigentlich auch, vermissen die kleinen Tante-Emma-Läden oder Konsums.“ Familiär, informativ und transparent soll es daher auf der 40qm großen Verkaufsfläche zu gehen. „Wir wollen hier von unseren Produzenten Fotos aufhängen. Sodass man, selbst wenn man nicht zu ihnen hinfährt, ein Gefühl davon bekommt, wie sie arbeiten.“

Auf Informationen über Mindesthaltbarkeitsdatum, Herkunft und Inhaltsstoffe der Produkte, die üblicherweise auf den Verpackungen gedruckt sind, müssen die Bio-Koggen-Kunden nicht verzichten. Etiketten auf den Spendergefäßen und das Gespräch mit dem Verkäufer sollen diesen Verpackungsvorteil ausgleichen.

Die Zeiten, in denen wie in dem Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“ die Hand in einem Sack Erbsen eintauchen kann, um die Ware zu prüfen, sind vorbei. Die Menschen hätten viel Angst davor sich irgendwelche Bakterien einzufangen, sind sich die beiden einig. Die Auswahl ihrer unverpackten Produkte zur Geschäftseröffnung soll erst ein Anfang sein. Später soll das Sortiment auf Wasch- und Spülmittel erweitert werden.

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