Baltic Taucher - Erwin Sellering besucht „Unterwasserjungs“
Info-Tour zu Unternehmen aus dem Bereich Erneubare Energien in MV führt den Ministerpräsidenten zu den Baltic Tauchern in den Rostocker Fischereihafen
29. April 2011, von Stefanie
Letzte Woche noch mit Wathose und modrigem Schlick im Gesicht bei der Bergung der Vagel Grip im Rostocker Stadthafen im Einsatz, war Jens Pap gestern mit Krawatte und Anzug kaum wiederzuerkennen. Schick hatte er sich gemacht für den Besuch des Ministerpräsidenten. Denn auf seiner Rundreise zu Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien in Mecklenburg-Vorpommern machte Erwin Sellering auch bei den Baltic Tauchern im Rostocker Fischereihafen Halt.

Zur Vorbereitung auf die internationale Kongressmesse Baltic Future Anfang Mai 2011 wollte sich der Landesvater in drei Betrieben, die sich im Bereich Offshore-Windenergie-Gewinnung engagieren, über den Stand, Entwicklungspotentiale und Risiken informieren. „Gerade jetzt, wo die Energiewende in Deutschland auch die Bundesregierung erreicht hat, ist das einfach eine wirtschaftliche Perspektive. Mir ist wichtig, dass wir in den Bereichen, die sich innovativ entwickeln, dabei sind“, will er die Chancen für Mecklenburg-Vorpommern ausgelotet wissen.
Die erste Station seiner Info-Tour führte ihn in unsere Hansestadt, wo das 1993 von den Brüdern Eyk-Uwe und Jens-Olaf Pap gegründete Tauch- und Bergungsunternehmen seinen Sitz hat.
„Ohne uns kriegt man keinen Windpark gebaut“, verkündet Geschäftsführer und Tauchermeister Eyk-Uwe Pap stolz. „Wir waren an allen Bauwerken in Nord- und Ostsee beteiligt.“ Optimistisch blickt er auch für weitere Windparks in die Zukunft, bei denen Taucherarbeiten für die Installation und Wartung anfallen. Die „Unterwasserjungs“ sind dann nämlich vor allem beim Verlegen der Kabel, dem Beräumen von Hindernissen und Munition sowie dem Sichern der durch die Wasserströmung entstandenen Kolke gefragt.

Bis zu 50 Meter tief arbeiten die Taucher. Da dies gerade für längere Zeit sehr aufwendig ist, werden immer öfter ferngesteuerte Unterwasserroboter eingesetzt. Dafür arbeiten die Rostocker gern mit einem dänischen Unternehmen zusammen. Für den Ministerpräsidenten demonstrierte Freddy Christensen aus Sjoelund sein Arbeitsgerät. Damit könne man nicht nur im tiefen Wasser sehen, sondern auch leichtere Gegenstände transportieren, erklärt er.

Für diese Methode entwickeln die Baltic Taucher derzeit gerade einen Offshore-Tauchcontainer, der im nächsten Jahr in der Nordsee zum Einsatz kommen soll, von Erwin Sellering jedoch gestern schon besichtigt werden konnte.
Aber nicht nur unter Wasser, auch hoch in der Luft erledigen die Baltic Taucher ihre Arbeit „Wir kommen aus der Schifffahrt und haben sogenannte Rigger bei uns beschäftigt“, erläutert Pap. Die Kletterer sind ein wichtiger Baustein bei der Errichtung und Wartung von Windparks. Sie werden bei der Hebung von schweren Lasten vom Fundament bis zum Rotor und für die Montage eingesetzt. Auch spätere Prüfungen und Reparaturen werden von ihnen durchgeführt.

Obwohl das Unternehmen besonders den Offshore Sektor im Fokus hat, bieten die Baltic Taucher auch in anderen Bereichen maritime technische Serviceleistungen an. Ihr Urstandbein ist dabei die Bergungsarbeit. Während das Heben der gesunkenen Vagel Grip aus dem Stadthafen letzte Woche für die Baltic Taucher Routine war, gehöre die Bergung eines Schiffes aus der Seine zu den verrücktesten Aufträgen, die die Baltic Taucher bisher angenommen haben, erzählen die beiden Brüder.
Aber auch bei großen maritimen Projekten wie dem Bau des Warnowtunnels oder der beeindruckenden Rügenbrücke in Stralsund waren die Baltic Taucher im Einsatz.

Angefangen hatte alles mit einem Fahrzeug, einem Hänger und 1200 DM, erinnert sich der Geschäftsführer, der sein erstes Büro in der Waschküche seines Bruders eingerichtet hatte. Nicht zuletzt dank der Förderung des Landes konnte das Unternehmen 2006 das jetzige Grundstück an der Warnow erwerben und darauf ein modernes Gebäude errichten, wo nun die landesweiten, aber auch internationale Einsätze geplant werden. Eine weitere Basis wurde erst vor Kurzem in Mukran gegründet.
Gegenwärtig sind zwölf Berufstaucher, ein Wasserbauingenieur, ein Seevermessungsingenieur, sechs Kapitäne, Maschinisten, Techniker und Jungtaucher im Unternehmen beschäftigt.
„Es ist für einen kleinen Betrieb gar nicht so einfach, sich in diesem Haifischmarkt Offshore durchzuboxen. Wir haben es aber geschafft“, lautet das Fazit von Eyk-Uwe Pap mit Blick auf die bisherige Arbeit.