An Krisen mangelte es in den letzten Jahren nun wirklich nicht. Auf die Finanzkrise folgte die Eurokrise und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass das Ende der Fahnenstange damit noch lange nicht erreicht ist.
Von nicht ganz so globaler Bedeutung, aber für viele Rostocker Fußballfans umso schmerzhafter dürfte da die Krise gewesen sein, in die der FC Hansa Rostock in der letzten Saison gestürzt ist. Eine Krise, an deren Ende nach den verlorenen Relegationsspielen gegen den FC Ingolstadt der Abstieg aus der zweiten in die dritte Liga stand.
Wie der Verein sich aus dieser Krise wieder herauskämpfen möchte bzw. sich bereits herausgekämpft hat, darum ging es im Vortrag von Hansa Manager Stefan „Paule“ Beinlich im Plenarsaal des Oberlandesgerichtes am gestrigen Abend. Für Beinlich alles andere als eine Routinesituation, da „Wege aus der Krise – Strategien eines Fußballvereins“ erst der zweite Vortrag war, den er in seiner Funktion als Manager hielt.

Zuvor schilderte er allerdings einige der Gründe für das schlechte Abschneiden in der vergangenen Saison.

„Ich denke, man hätte mit dieser Mannschaft nicht absteigen müssen“, brachte Beinlich diesen Umstand auf den Punkt. Darüber hinaus gab es aber auch eine unzureichende Pflege der Sponsoren und zu wenig Gewinn aus der Nachwuchsarbeit, aus der z.B. auch Toni Kroos, der inzwischen beim FC Bayern spielt, entstammt. Gute Nachwuchsspieler wurden weder im Verein gehalten, noch gewinnbringend verkauft. Ein großer Verlust, vor allem wenn man bedenkt, dass die A-Jugend im vergangenen Jahr deutscher Meister wurde, was für die hervorragende Jugendarbeit in Rostock spricht.

Außerdem waren aufgrund der finanziellen Lage betriebsbedingte Kündigungen unumgänglich und die Angestellten entsprechend enttäuscht und verunsichert. „Das war das Schwerste, was ich bisher tun musste, einem Mitarbeiter zu sagen, dass er zwar super gearbeitet hat, aber trotzdem nicht weiter beschäftigt werden kann“, erinnert sich Beinlich an die ersten Wochen als Hansa Manager.
Zudem musste alles sehr schnell gehen, denn innerhalb von zwei Wochen galt es, Trainer und Mannschaft aus dem Hut zu zaubern – kein leichtes Unterfangen ohne Scouting Team. Gut, dass bei Beinlich das Motto „geht nicht – gibt’s nicht“ großgeschrieben wird: „Für mich ist es häufig zu einfach, wenn man sagt: geht nicht.“

Dabei wurde das Spielsystem (für alle Fußballexperten: ein 4-4-2 mit Raute oder flacher vier im Mittelfeld) im Vorfeld festgelegt und die geeigneten Führungsspieler und Spieler, die sich von diesen führen lassen, gesucht. Wobei die Mannschaft natürlich flexibel genug aufgestellt ist, um bei Bedarf auch andere Spielsysteme einzusetzen.
Gleichzeitig wurde der ehemalige Co-Trainer Thomas Fink damit beauftragt, das Scouting System neu aufzubauen. Bei der Jugendarbeit wurden trotz geringerem Vereinsbudget keine Kürzungen vorgenommen, um das hohe Niveau auch in Zukunft halten zu können.

Die abschließenden Worte gingen schließlich an Admiral Jürgen Mannhardt, der den FC Hansa auf einem guten Weg sieht und nach Beinlichs Vortrag wieder einmal richtig Lust darauf bekommen hat ins Stadion zu gehen. Vielleicht ja gleich morgen beim Spiel gegen Erfurt.