Lösen sich teure Dinge einfach so in Luft auf, haben meist Langfinger ihre Hände im Spiel. Es bedeutet Ärger, Laufereien und wird oft zu einem Fall für die Versicherung.
Ganz anders sieht dies bei einer neuen Generation von medikamentenbeschichteten Gefäßstützen - sogenannten Stents - aus, deren Entwicklung gestern in Warnemünde vorgestellt wurde. Dass sie sich, nachdem sie ihren Dienst getan haben, von selbst rückstandslos auflösen, ist nicht nur eine weltweit gefragte Neuentwicklung, sondern auch ein großer Schritt für die Herzmedizin.
Für Professor Dr. Heyo K. Kroemer von der Universität Greifswald stellt die Entwicklung derartiger biomedizinischer Produkte einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der älter werdenden Bevölkerung dar. „Ein ganz überwiegender Teil der Probleme, die wir in den nächsten Jahren erleben werden, wird sich im Gefäßbereich abspielen. An allen Ecken und Enden wird bei den alten Herrschaften etwas zugehen, was wir mit den Stents offen halten können.“ Das beschränke sich langfristig nicht nur auf Herz und Gehirn, sondern schließt auch die Peripherie, wie die Beine, mit ein, so der Pharmakologe.
Da es sich bei der Entwicklung dieser kleinen röhrchenförmigen Implantate, die im Falle von verengten Arterien eingesetzt werden, um ein hochkomplexes Produkt handelt, haben sich gleich mehrere Forschungseinrichtungen des Landes unter der Führung des Warnemünder Medizintechnikunternehmens Cortronik zusammengetan.
Das 1998 gegründete Unternehmen erforscht und entwickelt vaskuläre Implantate und Stentdesigns. Auch mit den dazugehörigen Fertigungs- und Beschichtungstechnologien beschäftigt sich Cortronik. Schließlich handelt es sich bei diesen biomedizinischen Produkten nicht um Waren von der Stange.

Außerdem will man die Medikamentenstents verbessern. Bisherige Probleme wie Brüche, unvollständige Medikamentenabgabe und unzureichendes Einwachsen, aber auch das Thromboserisiko sollen verringert werden. „Hierfür wollen wir einen speziellen Grundkörper entwickeln, der dann medikamentenfrei beschichtet wird. Das heißt, in diese Oberflächen sollen nano- oder mikroporöse Strukturen eingebracht werden, in denen das Medikament eingebettet ist“, erläutert Carsten Momma.

Die Universitäten werden sich mit dem Rostocker Institut für Biomedizinische Technik und dem Greifswalder Institut für Pharmakologie vor allem mit Grundlagenforschungen und Überprüfungen einbringen.

„Sinn und Zweck unserer Verbundforschungsförderung ist es, den Fachkräften im Land Perspektiven aufzuzeigen. Hierzu gehören attraktive und wissensbasierte Jobs in Mecklenburg-Vorpommern“, betonte der Minister.