Kunstaktion zum Internationalen Frauentag am Rathaus

Frauenbildungsnetz MV zeigt „Honkinen“ am Neuen Markt

9. März 2012, von
„Honks“ auf dem Neuen Markt vor dem Rathaus
„Honks“ auf dem Neuen Markt vor dem Rathaus

Gestern feierte ein wichtiges Datum seinen 101. Geburtstag. 1910 war es Clara Zetkin, eine deutsche Kommunistin, die vorschlug, einen internationalen Frauentag einzuführen. Im folgenden Jahr sollte dieser dann zum ersten Mal stattfinden. Eine so lange Tradition beweist, wie wichtig Themen wie die Rechte der Frauen und Gleichberechtigung sind. Auch wenn sich viele Situationen schon verbessert haben, ist auch heute noch viel Nachholbedarf auf diesen Gebieten zu erkennen. Darum gab es auch in diesem Jahr wieder einige Aktionen rund um den 8. März, den Tag der Frauen.

„Vor allem im letzten Jahr wurde viel geredet. Wir haben uns für dieses Jahr etwas anderes überlegt“, erzählt Marion Richter, Geschäftsführerin vom Frauenbildungsnetz Mecklenburg-Vorpommern. In Zusammenarbeit mit dem Frauennetzwerk der Hansestadt Rostock und verschiedenen Interessenverbänden organisierten sie in diesem Jahr eine Kunstaktion am Neuen Markt. „Die Figuren sollen auf die Probleme hinweisen, aber trotzdem künstlerisch anspruchsvoll sein.“

Karina Jens, die Künstlerin Esther Dittmer und Roland Methling
Karina Jens, die Künstlerin Esther Dittmer und Roland Methling

Diese Figuren heißen „Honks“ und wurden von der Künstlerin Esther Dittmer erfunden. Eigentlich ist der Begriff eine Abkürzung für „Hauptschüler ohne nennenswerte Kenntnisse“. „Ich wollte den Begriff humorig umdeuten und habe so diese Beobachterfiguren als Wandler zwischen den Welten erschaffen.“ Für den Weltfrauentag wurden aus den „Honks“ „Honkinen“. Die Kunstobjekte aus einem Gipskopf, Baustahl und Folie sind nun auch nicht mehr nur Beobachter, sondern auch Botschafter.

Die aufgestellten „Honkinen“ auf der Grasfläche neben dem Rathaus zum Frauentag
Die aufgestellten „Honkinen“ auf der Grasfläche neben dem Rathaus zum Frauentag

Insgesamt 178 „Honkinen“ hat die Bildhauerin zusammen mit interessierten Rostockerinnen erschaffen. Diese konnten dann gestern ab 11 Uhr auf dem Neuen Markt verziert und mit Botschaften versehen werden.

Ab 13 Uhr wurde es dann voller und lauter vor dem Rathaus. Begleitet von Trommelmusik brachten ungefähr 50 Frauen die Figuren ins Rathaus, um sie der Stadtverwaltung zu übergeben.

Einer der „Honks“ trägt die Forderung nach Sicherheit
Einer der „Honks“ trägt die Forderung nach Sicherheit

Auch wenn die ästhetische Wirkung sehr wichtig war, sollten die Forderungen der Frauen nicht zu kurz kommen. Daher wurden Karina Jens und Roland Mehtling die gesammelten Forderungen als Lektüre übergeben. Wichtige Kernpunkte sind faire Löhne, die von der EU angedrohte Frauenquote für öffentliche Ämter und soziale Sicherheit. Der Oberbürgermeister nahm die Anregungen gerne entgegen und lud sowohl zu einem ausführlichen Gespräch als auch zu einer Ausstellung der „Honkinen“ im Rathaus zum nächsten Frauentag ein.

Nachdem sich jeder noch eine Figur für das Büro aussuchen durfte, wurden die restlichen Objekte auf der Rasenfläche neben dem Rathaus aufgestellt. Dort sollen sie nun eine Woche stehen und auf die Wünsche und Probleme der weiblichen Bevölkerung aufmerksam machen. Es ist ein buntes Feld, das sich ideal mit den sprießenden Frühlingsblühern ergänzt. Schon beim Aufstellen zeigten viele Passanten Interesse und so dürfte die Aktion schon jetzt ein Erfolg sein.

Marion Richter
Marion Richter

So sieht es auch Marion Richter. „Jetzt bin ich zufrieden. Ich hatte vorher wirklich Angst, dass wir nicht genügend Figuren zusammenbekommen.“ Doch das Gegenteil trat ein und es waren nicht genügend Stahlstangen für alle „Honkinen“ da. „Ich persönlich finde es wichtig, den Haushalt der Stadt zu untersuchen und wie dieser auf die verschiedenen Geschlechter wirkt. Der Haushalt sollte fair für alle sein.“

In den letzten 101 Jahren wurden schon viele Schritte in die richtige Richtung gemacht. Doch noch ist der Weg nicht abgeschlossen. Marion Richter fasst das perfekt zusammen: „Die Gleichstellung ist inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Früher hat man sich geschämt, darüber zu sprechen, doch heute ist das selbstverständlich.“ Nun müssen den Worten nur noch Taten folgen.

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