Die sommerliche Idylle im Stadthafen trügt. Zwischen den Warnowufern ist ein Streit ausgebrochen, der an den Nerven zerrt. Dabei will man doch nur seinem Hobby frönen: Die einen auf der Haedgehalbinsel wollen trommeln, die anderen im Yachthafen am Gehlsdorfer Ufer wollen einen ruhigen Abend auf ihren Booten genießen. Das passt nicht zusammen und Geduld und Toleranz werden knapp.
„Das ist eine Lärmbelästigung sondergleichen. Es ist unzumutbar, was dort abgeht: ein monotoner sinnloser Lärm“, beklagt sich Dieter Dreischang vom See- und Segelsportverein, der dadurch auch schon Mitglieder verloren habe.
„Das betrifft nicht nur unseren Verein, sondern auch alle anderen Vereine und ansässigen Gehlsdorfer, die einfach nur genervt sind“, so der Segler, der mehr als 130 Mitgliedern vorsteht.

Wenn sie im Stadthafen spielen, gesellen sich Jongleure und Hörlustige um sie herum, die auch mal bei einem Glas Wein den Sommerabend genießen. Viel Zuspruch hätten sie bisher erfahren, so die Trommler, als kulturelle und soziale Bereicherung seien sie gelobt worden. Selbst aus Gehlsdorf seien schon Anwohner hinübergekommen, um sie zu einer Party einzuladen. Ein Paar würde sich sogar extra in Gehlsdorf raussetzen, um den Klängen zu lauschen.

„Seit zehn Jahren spielen wir an der Stelle“, erzählt Matthias Rust. In der Vergangenheit habe es auch schon Probleme gegeben. Doch die seien mittlerweile behoben. Polizei und Hafenmeister seien verständigt und auch die Ortsamtsleiter von Gehlsdorf und Stadtmitte hätten nach einem Gespräch im letzten Jahr nichts zu beanstanden gehabt.
„Sie melden sich immer regelmäßig an und ab, und das läuft“, lobt Thomas Meier vom Polizeirevier Reutershagen, der die Anrufe oft entgegennimmt. Beschwerden gebe es so gut wie keine. „Es ist nicht so, dass gegen die Trommler Sturm gelaufen wird, im Gegenteil. Sie gehören zum Stadthafen.“

40 Stunden seien es insgesamt im Jahr ungefähr, hat ein Freier Trommler die Spielzeit der Gruppe zusammengerechnet. Doch dieser Angabe widersprechen die Segler heftig. „Oft auch mindestens zwei Mal abends in der Woche und nicht immer ist um 22 Uhr Schluss“, entgegnet Dieter Dreischang und erwartet, dass „normale und vernünftige“ Stadthafenruhe einkehrt.
„Wir wollen Brücken bauen. Nur habe ich den Eindruck, dass die andere Seite nicht dazu bereit ist“, zeigt sich Matthias Rust an einer Beilegung des Konflikts interessiert. Auch an alternative Standorte habe man schon gedacht, sei aber noch nicht fündig geworden.