
Wenn Ihr Euch jetzt sagt, dass das nicht sehr spannend klingt, kann ich Euch versichern, dass ich zu Beginn auch so gedacht habe. Jedoch wurde ich eines Besseren belehrt. Es ist ein Thema, über das wir uns - meiner Meinung nach - viel zu wenig Gedanken machen. Oder habt Ihr Euch schon einmal gefragt, was an Eurem heutigen Wohnen so alles alltäglich ist?
Schlicht betrachtet, hätten wir da das Schlafzimmer (klar, so eines braucht jeder), das Wohnzimmer (wegen der Gemütlichkeit) und natürlich Bad und Küche (Hat doch jede Wohnung, oder?). Alles selbstverständlich – eben. Für uns schon, jedoch nicht für die arbeitende Bevölkerung des frühen 20. Jahrhunderts. Wo ein Arbeiter nur etwa eine Mark die Stunde verdiente, war eine Wohnung mit eigenem geräumigen Badezimmer und einer in hellen Tönen gehaltenen Wohnküche bislang nur eine von vielen utopischen Fantasien. Und das alles für etwa 52 Mark im Monat.

Herr Schulz hatte damals nämlich einen Nachbarn. Natürlich war der Tapezierer Karl-Heinz genauso heiß auf „nicht genehmigte“ Informationen, wie es auch sämtliche andere Bewohner jener Zeit waren. Da hieß es schon einmal Obacht zu halten, wenn BBC durch einen „seltsamen“ Zufall lief. Dennoch krabbelte der damals zwischen 12 und 13 Jahre alte Peter zu ihm herüber und lauschte ebenfalls der fremden Welt. Bis eines Tages ein Paar Stiefel hinter ihnen auftauchte. Das jedoch war nicht alleine gekommen, sondern hatte einen grimmig dreinschauenden Polizisten im Schlepptau. Erschrocken und ein wenig ängstlich schauten die beiden zu ihm auf, doch der Polizist riet ihnen zum Glück nur, die Türe zu schließen, wenn sie schon BBC hörten. Glück gehabt.
Aber zurück zur Gedenktafel und zum „Roten Block“, wie der Wohnkoloss aufgrund von Farbe und Bewohnern liebevoll genannt wurde. Hauptsächlich beherbergte er nämlich die „Sozis“, so Peter Schulz - Menschen der SPD, des ADGB (Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund) und der Kongressgenossenschaft.
Der im Innenhof liegen gebliebene Findling erinnert an einen von ihnen. Franz Starosson, einem der in den ersten beiden Dekaden des 20. Jahrhunderts einflussreichsten sozialdemokratischen Politikern Mecklenburgs.
