Andächtig und mit gespitzten Ohren versammelten sich am Samstag-Abend Hunderte Menschen am Fuße des Turmes von Sankt Marien. Von oben erklang zum ersten Mal das volle Geläut der fünf Glocken der ältesten Rostocker Stadtkirche. Unten vermischte sich der mächtige Glockenklang mit dem Surren der Straßenbahn, dem Frühlingswind in den Bäumen und dem Hüsteln der Zuhörer, die sich nach dem Kirchbesuch noch die winterliche Kälte abschüttelten, zu einem einmaligen Klangerlebnis.
Als „Klang der Heimat“ hatte Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens zuvor das Glockenläuten bezeichnet. Die vier restaurierten mittelalterlichen Glocken und die neu gegossene Betglocke werden nun den Klang der Marienkirche verändern und zukünftig das akustische Bild unserer Hansestadt zu besonderen Anlässen prägen.


Der höchste Ton ist von der Bleichermädchenglocke zu hören, die ebenfalls in der Monkehagen-Gießerei gefertigt wurde. Von Hans Lavenpris stammt die Wächterglocke. Früher zeigte sie an, dass die Stadtwache auf ihrem Posten ist.
Die jüngste unter den Glocken ist die Betglocke. Erst im Januar dieses Jahres wurde sie in Karlsruhe gegossen. 71.900 Euro wurden dafür aus Spenden aufgebracht. Nun soll sie die hauptsächliche Läutelast tragen.


„Wir wünschen uns für die Marienkirche noch eine sechste Glocke anschaffen zu können, damit unser Geläut rund wird.“
Bis zum Herbst 2010 bestand das Geläut der Rostocker Marienkirche aus drei Glocken. Die älteste, die Petri Glocke, stammt aus dem 16. Jahrhundert und hatte als einzige den Krieg überstanden. Die anderen beiden wurden 1979 gegossen. Alle drei Glocken sollen nun in den Turm der Petrikirche gebracht werden.
Aber nicht nur der Klang der Marienkirche hat sich erneuert, auch äußerlich hat sich der sakrale Bau herausgeputzt. Umsäumt vom frischen Maigrün präsentiert sich der Turm seit der mehr als zweijährigen Bauphase erstmals wieder ohne Gerüst.

Unterstützung gab es auch vom Land Mecklenburg-Vorpommern, der Landeskirche und zahlreichen Spendern. Maßgeblich eingebracht hat sich darüber hinaus der Förderverein „Stiftung St.-Marien-Kirche zu Rostock“.
Die Planung für die weiteren Sicherungsarbeiten reichen bis ins Jahr 2018. Dann soll die äußere Hülle wiederhergestellt sein. Auch die Seitenschiffe, Chorkapellen und die Pfeiler müssen noch restauriert werden und sind teilweise bereits eingerüstet.

Die Glockenweihe, die Rückkehr der alten Glocken, der Abschluss der Turmsanierung und die Auszeichnung für das Engagement im Artenschutz – für die Innenstadtgemeinde gab es viel Grund zur Freude, zu feiern und zu danken. Zahlreiche Gäste folgten daher der Einladung zu einem festlichen Konzert mit Musik, die von Glockengeläut inspiriert wurde, und abschließendem Glockenfest im Gemeindehaus.