
Auf hellem Blau und mattem Gelb strahlen den Passanten große, freundliche Gesichter entgegen. Viele nehmen sich Zeit, der Blick geht nach rechts und links, manchmal bleiben einige sogar stehen, um immer wieder Kleinigkeiten zu entdecken, die sie zum Schmunzeln bringen. Wie eine Oma, die eine Thermoskanne in der Hand hält. Oder ist es doch eine Sprühflasche? „Eine Hommage an die Sprüher“, erklärt Christian Hölzer. Seit 1987 malt der gelernte Förster und Holztischler. Vor zwölf Jahren schmiss er schließlich seinen Job und gründete das Unternehmen Artunique, das mit seiner Graffitikunst nicht nur in der gesamten Stadt (Szene-Slang: All-City) vor allem auf Trafohäuschen präsent ist, sondern sogar in vielen anderen deutschen Städten bis nach München Fassaden gestaltet.

Im Vorfeld gab es zwar eine relativ feste Skizze, in der das maritime und regionale von Warnemünde als Thema vorgegeben wurde. Im Kleingedruckten aber stand etwas von künstlerischer Freiheit, die das Malerteam auch ausgiebig nutzte und immer mehr von der Skizze abwich. „Das war anfangs nicht allen ganz geheuer, aber ich habe versprochen, dass das Bild am Ende allen gefällt“, erinnert sich Christian Hölzer. Er schwärmt von der positiven Energie, die ihnen vom ersten Tag an in den Gesprächen mit den Passanten entgegengebracht wurde. Während er als Graffitisprayer oft mit Beschimpfungen zu tun hat und in den ersten Tagen durchaus auch mal die Polizei gerufen wird, sei das bei diesem Projekt ganz anders gewesen. „Wir haben bisher keinen einzigen kritischen Kommentar gehört und das ist wirklich selten.“

Auch allgemeinere Wünsche der Passanten fanden Berücksichtigung. „Oben haben wir etwas beleibtere Personen gemalt. Die waren zuerst fertig. Als mehr und mehr Betrachter sagten, dass das eine lustige Idee sei, sie aber auch noch eine schöne Strandfrau wollten, haben wir gesagt: Dann machen wir das eben“, erzählt der Artunique-Chef.

Geschützt werden die Wandbilder durch einen neuartigen Belag, der es erlaubt, Verschmutzungen mit Hochdruckreinigern und Reinigungsmitteln abzuwischen. Denn eine Sorge haben viele Betrachter.
„Bleibt zu hoffen, dass das Graffiti in der jetzigen Form ganz lange erhalten bleibt. Denn es wertet das ganze Areal, in dem es viele Betonflächen gibt, auf“, wünscht sich Urlauber Stephan Lehmann, der das Seebad Warnemünde regelmäßig mit seiner Familie besucht. Ihm sind die wilden Graffiti, die es auch schon an der neuen S-Bahn-Station gibt, ein Dorn im Auge.
„Das ist der Ursprung des Graffitis“, bleibt Christian Hölzer gelassen und betont wertungsfrei. „Das eine würde es ohne das andere nicht geben. Wenn es keinen Bedarf gäbe, würden die Leute die Wände grau lassen.“
Die Strandschönheit entstand auf Wunsch vieler Passanten 
Regionaler Bezug: Werftarbeiter 
"Ob Jung oder Alt - alle waren am Grinsen", erzählt Christian Hölzer von den Reaktionen auf das Riesengraffiti. 
Christian Hölzer verheimlicht nicht seine große Leidenschaft für den FC Hansa. Auch das Fanhaus zwischen Stadion und Geschäftsstelle des Rostocker Fußballvereins wurde von Artunique gestaltet. 
Schnell zu anderen Seite des Tunnels - bei den Wandbildern fällt es etwas schwerer.