Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Eines der bekanntesten Märchen dürfte wohl das von „Hänsel und Gretel“ sein. Oft inspirierte die Geschichte der beiden armen Kinder, die sich im Wald verirren und dort der bösen Hexe begegnen, Schriftsteller, Musiker, Filmemacher und Maler zu beeindruckenden Kunstwerken. So auch den spätromantischen Komponisten Engelbert Humperdinck, der zu Beginn der 1890er Jahre aus dem Stoff eine Märchenoper in drei Akten schuf und damit Weltruhm erlangte.

Frisch und einladend vorgetragen werden sie von Takako Onodora und Jamila Raimbekova, als Hänsel und Gretel. Trotz ausgebildeter Opernstimme stellen die jungen Sängerinnen die kindliche Natur ihrer Rollen mit ihrer Neugier und ihren Ängsten so überzeugend dar, dass auch die jüngeren Besucher ihnen gespannt folgen. Bis in den finsteren Wald, wo ein riesiges, buntes Lebkuchenhaus die hungrigen Kinder zum Naschen verführt.

Die Täuschung gelingt. Denn als die Hexe, dargestellt von der Gast-Altistin Gabriele Scheidecker, ihre wahren Absichten offenbart, ist es für die Kinder zu spät, fast.
Selbstverständlich geht das Märchen für die jungen Helden gut aus und das Böse wird vernichtet. Allerdings weicht die Inszenierung von der originalen Märchenfassung ab. Nicht Gretel ergreift den Mut, um die Geschwister aus der Notlage zu befreien, in dem sie die alte Frau, die das Böse verkörpert, in den Ofen stößt. Sondern die Hexe stürzt sich selbst hinein. Das befreit die Kinder zwar vom Verdacht des Mordes, nimmt ihnen aber die Erfahrung sich selbst aus einer bedrohlichen Lage zu retten und so vertrauen in ihr eigenes Tun zu gewinnen.
Zu den beschaulichsten Szenen gehört sicherlich der „Abendsegen“, in der vierzehn Engel, dargestellt von Kindern der Ballettschule Marquard, den Schlaf der Kinder bewachen. In diesem imposanten Gruppenbild bewegt sich auch Julia Ebert mit grazilen Schritten als Sandmännchen, und später auch als Taumännchen.

Für Kinder gibt es aber auch Nachmittagsaufführungen. So findet die nächste Vorstellung am 1. Dezember um 15 Uhr im Theaterzelt statt. Weitere Aufführungen gibt es am 15., 17., 25. und 29. Dezember sowie 8. Januar.
Fotos (1-3): Dorit Gätjen, VTR