
Bevor der offizielle Teil des Empfangs begann, hatte ich noch etwas Zeit, mir die Ausstellung anzuschauen. Als Erstes fiel mir ein Brief des Drittklässlers Bernhard Bültemann aus Rostock an Inge Kettenbeil aus Darlingerode im Harz auf. Der kleine Bernhard erklärte Inge darin, wie der Rostocker Hafen gebaut wurde. Nein, er erklärte es nicht nur, er zeichnete es zwischen den Zeilen auch auf. Das ist eines der vielen Zeugnisse, das zeigt, wie viele Menschen der Ausbau des Hafens damals beschäftigte.
Ich sah verschiedene Modelle von Kränen und ein Holzbausteinspiel zur Nachahmung eines Hafens aus der DDR, überdies historische Fotoaufnahmen, Zeitungsartikel „und und und“. Auch historische Filmbeiträge und maritime Gemälde aus den Beständen der Kunsthalle waren zu sehen, so etwa verschiedene Werke von Karl-Heinz Kuhn. Die Exponate hatten nicht nur das Schifffahrtsmuseum, das Ingenieurbüro Inros Lackner und die Hafenentwicklungsgesellschaft zur Verfügung gestellt. Auch viele Rostocker Bürger hatten ihre ganz persönlichen Erinnerungsstücke ebenfalls für die Ausstellung in der Kunsthalle abgegeben.
Einer von ihnen ist Hans-Jürgen Räsch. Er hatte am 16.8.1962 angefangen im Hafen zu arbeiten. Stolz zeigte er mir seinen ausgestellten Holzhaken. Damit hätte man das auf den Schiffen angelieferte Holz besser umladen können, erzählte er. Der Haken wäre in das Holz geschlagen worden und mittels des daran befestigten Griffs hätte sich die Ware dann besser anheben und transportieren lassen. Verschiedene Arbeitsausweise und das sogenannte Arbeitsbuch des Hafenarbeiters Hans-Jürgen Räsch waren ebenfalls zu sehen.

Habe ich schon berichtet, dass ich im Plastiksaal der Kunsthalle meinem selbstgebastelten Papierschiffchen wieder begegnete? Voller Stolz und zufrieden betrachtete ich es. Mein erstes Kunstwerk, ausgestellt in der Kunsthalle. Vielleicht sollte ich demnächst doch eine künstlerische Laufbahn einschlagen? Wir werden sehen.




Abschließend erzählte er, dass er auf dem Weg zur Kunsthalle „Kollege Oschmann“ getroffen habe. Dieser gehöre zu denen, die am 30. April 1960 zum Empfang aus Anlass der Einweihung des Rostocker Überseehafens eingeladen worden waren und er habe dem Oberbürgermeister die Einladungskarte für dieses Fest übergeben. Gesten wie diese zeigten ihm, wie „tief der Hafen weiterhin bei den Rostockern verwurzelt ist“, so Roland Methling.
Im Anschluss an die Begrüßungsworte wurden Vorträge über die Geschichte des Hafens, über seine wirtschaftliche Ausstrahlung auf die Region, die Auswirkungen des Hafens auf die Luftqualität in der Hansestadt und zu Entwicklungsprojekten und –perspektiven gehalten.
Die Hafenentwicklungsgesellschaft Rostock (Hero) hatte aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Überseehafens ein umfassendes, interessantes und unterhaltsames Festprogramm auf die Beine gestellt. Die vielen Rostocker Bürger, die sich mit dem Hafen verbunden fühlen, werden es ihnen danken und wünschen dem Überseehafen auch für dessen Zukunft viel Erfolg.