
Aber nicht der Zustand der Straßen, sondern der Schiffe brannte den Besuchern des maritimen Volksfestes auf der Seele. Einige Segler hatten sogar schwarz geflaggt und Protestbanner in die Takelage gehängt, um ihre Unzufriedenheit mit der Vergabe der Schiffssicherheitszeugnisse für Traditionsschiffe Ausdruck zu verleihen. Diese werden von der für Schiffssicherheit zuständigen Berufsgenossenschaft (BG) Verkehr ausgegeben, oder auch nicht. Darin liegt die Kritik, die die Eigner schon seit einigen Jahren erheben. Die Kriterien für die Vergabe der Sicherheitszeugnisse, die es erst erlaubt mit dem Schiff zu fahren, seien willkürlich, so ihr Vorwurf. Der Bemessungsspielraum werde nicht zugunsten, sondern zulasten der Traditionsschifffahrt ausgelegt. Von ehemals über 220 seien nur noch 120 Schiffe übrig, davon 20 direkt bedroht, darunter auch der Rostocker Dreimastschoner Santa Barbara Anna, zählt Gerhard Bialek, Skipper der „Ethel von Brixham“ und Mitglied der Gemeinsamen Kommission für historische Wasserfahrzeuge (GSHW), auf. Die betroffenen Schiffe seien stillgelegt, verschrottet oder ausgeflaggt worden.


Sollte mit dieser Entscheidung der verdeckten Fahrgastschifffahrt Einhalt geboten werden, sehen sich die Traditionsschiffseigner nun ungerechtfertigt von der BG Verkehr unter Generalverdacht gestellt. Viele alte Segler werden jedoch ehrenamtlich von Vereinen betrieben, betont auch Sailchef Holger Bellgardt immer wieder. Allein bei Lovis hat man etwa 9000 freiwillige Arbeitsstunden im Jahr gezählt. „Wir wünschen uns in der Politik Menschen, die das zu schätzen wissen“, so der Appell von Thomas Schmidt. Gemeinsam mit Anja Reuhl überreichte er an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer über 15.000 Unterschriften für den Erhalt von Traditionsschiffen, die in den letzten drei Monaten gesammelt wurden. Der hatte bereits Ende Juni eine Übergangsregelung beschlossen, in der die Schiffe Bestandsschutz genießen. „Damit haben wir Zeit gewonnen, um in Ruhe eine vernünftige Regelung auszuarbeiten“, sagte der bayrische Politiker, der den drei Kilogramm schweren Unterschriftenstapel entgegennahm und anschließend traditionell mit (naja fast) vier Doppelschlägen die 23. Hanse Sail für eröffnet erklärte. Noch bis zum Sonntag werden zahlreiche Traditionsschiffe unter Segel und unter Dampf die Kulisse des Stadthafens und Warnemündes bestimmen und mit Gästen zu Tagestörns und Abendfahrten auf der Ostsee aufbrechen.