Johnny Cash ist tot, aber Gunter Gabriel lebt. Und mit ihm das Musical „Hello, I'm Johnny Cash”, in dem der siebzigjährige Westfale – Cash war nur ein Jahr älter, als er 2003 starb – die Geschichte des einzigartigen Künstlers nacherzählt. Für Gabriel nicht nur ein Job, sondern eine Berufung, schließlich verband die beiden nicht nur die Liebe zur Musik, sondern auch eine lange Freundschaft. Gestern gastierte das Musical in der Stadthalle Rostock.
Mit zehn Jahren bekommt Johnny Cash von seiner Mutter die erste Gitarre. Fortan entwickeln sich sein Können und auch seine Leidenschaft immer weiter. Sowohl als Soldat in Deutschland, in seiner ersten Ehe und auch in der schwierigen Zeit der Amphetaminabhängigkeit gab sie ihm immer Kraft und Halt. In Kombination mit seiner unverwechselbaren Stimme und legendären Auftritten, wie zum Beispiel im Hochsicherheitsgefängnis von San Quentin, wurde Cash so zum Star der amerikanischen Countryszene.

Überhaupt haben sich alle getäuscht, die hier eine Klamaukveranstaltung erwartet haben. Die Berliner Theaterproduktion nimmt ihren Hauptdarsteller ernst und dieser geht in seiner Rolle auf.
Auch wenn seine Stimme nur entfernt so wie das Original klingt, stimmen doch die Gesten und Bewegungen und in Kombination mit der tollen Liveband konnte man manchmal fast vergessen, dass da kein Cowboy aus Amerika auf der Bühne steht, sondern der Hafencowboy aus Hamburg.

Auch bei der anschließenden Autogrammstunde zeigte sich der deutsche Musiker, der - genau wie sein Idol - auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken kann, unglaublich symphatisch. Ein Kompliment für die Dame, ein Dankeschön fürs Kommen und dazwischen die Aussage, dass er ja bestimmt auch nicht mehr lange zu leben habe. Gunter Gabriel wirkt wie jemand, der mit allem abgeschlossen hat und nur noch jeden Moment seiner Zeit genießt.
