Holger Lippmann: „poetic justice & digital rights“

Computer trifft Kunst – Computerkunst in der Galerie wolkenbank

12. März 2011, von
Rose Bed von Holger Lippmann - Galerie Wolkenbank
Rose Bed von Holger Lippmann - Galerie Wolkenbank

Computer trifft Kunst. Kunst trifft Computer. Es müssen wohl schon Bilder von Holger Lippmann sein, um Computer-Freaks von ihrem Bildschirm in eine Galerie zu locken. Und nicht nur die.

Ab heute zeigt die Galerie wolkenbank Bilder des in Berlin-Wandlitz lebenden Künstlers, der zu den Pionieren der Netzkunst gehört.

1960 in Mittweida (Sachsen) geboren, studierte er zunächst Bildhauerei an der Dresdner Kunsthochschule und widmete sich der klassischen Malerei. Ein Praktikum am Institut of Technology in New York weckte schließlich Anfang der Neunziger sein Interesse an der modernen Rechentechnik und ließ den Computer zum Werkzeug seiner Wahl werden.

Als digitale Malerei bezeichnet er selbst einen Teil seiner Werke. Auf die Leinwand gemalt hat er keines seiner Bilder und er greift auch nicht etwa auf virtuelle Pinsel oder Stifte gängiger Grafikprogramme zurück. Die Arbeit überlässt Lippmann dem Computer. Als Künstler bestimmt er die Regeln, der Rechner zeichnet. Über selbst geschriebene Programme und Algorithmen entstehen Bilder und Animationen. Mal gegenständlich, mal abstrakt und teilweise kann man sogar den Entstehungsprozess live verfolgen.

„Mit der Maus klicke ich auf bestimmte Stellen, wo ich dann große oder kleine rekursive Strukturen erzeuge“, umreißt Lippmann seine Vorgehensweise. Varianzen und Zufallswerte sorgen dabei für immer neue Ergebnisse – eine Streuung, aus der er seine Kompositionen entwickelt. Auf der Tastatur liegen die Farbmappings und „in gewisser Weise arbeite ich damit wie ein Maler oder Designer.“

Wie vielfältig die Ergebnisse dieser Arbeit sein können, zeigt die Auswahl der in der wolkenbank zu sehenden Bilder.

Holger Lippmann: Recursive Trees in der Galerie wolkenbank
Holger Lippmann: Recursive Trees in der Galerie wolkenbank

Passend zur Jahreszeit werden die Besucher am Eingang von einem frühlingshaften Blumenbild begrüßt. „Recursive Trees III“ sei eines der Bilder, das relativ viel Nachbearbeitung erfordert hat, erklärt Lippmann.

Auf den ersten Blick fast ein gewöhnliches Landschaftsbild, erschließen sich bei genauem Hinschauen die rekursiv erzeugten Strukturen der schwarzen Bäume, die in Kontrast zu den farbenfrohen Blüten stehen. Und nur wer ganz genau hinschaut, mag im gespiegelten Hintergrund ein weiteres Detail der Computerarbeit erkennen.

Spinner, Holger Lippmann Galerie Wolkenbank
Spinner, Holger Lippmann Galerie Wolkenbank

Schwarz-Weiß-Überlagerungen verleihen hingegen dem Bild „Spinners“ einen metallischen Effekt. Drehbankspäne waren es, die Lippmann zu diesem Werk animiert haben, das er ursprünglich „Scrap-Metal“ nannte.

„Die Metallspäne, die aus der Drehbank kommen, habe ich immer geliebt“, erzählt der Künstler. Durch einen leichten Versatz bei den fast ausschließlich eingesetzten Kreisen erreicht er in diesem Bild eine Pseudo-Dreidimensionalität, die sich auf ganz besondere Weise mit den zweidimensionalen Elementen verbindet. Mit jedem Blick erschließen sich dem Betrachter neue Details, Strukturen und Effekte.

Geht es um Computerkunst, dürfen Computer natürlich nicht fehlen. An einer Wand der Galerie kann man auf einer Installation von vier Bildschirmen verfolgen, wie Bilder entstehen und sich kontinuierlich verändern.

Der Traum des Künstlers? „Die ultimative Realisation von diesen Arbeiten sehe ich in richtig extragroßen Prints“, bringt es Lippmann zum Ausdruck. Arbeite er doch ausschließlich mit Vektoren, „die Bilder sind damit unendlich skalierbar“ und es gebe immer neue Details zu entdecken. In Berlin habe er kürzlich eine Fläche von 11 x 3 Metern gestaltet, es könnte aber ruhig noch eine Nummer größer werden, schmunzelt er.

Sacred Code Agates von Holger Lippmann Galerie wolkenbank
Sacred Code Agates von Holger Lippmann Galerie wolkenbank

Und könne er sich vorstellen, auch mal wieder ganz klassisch mit Pinsel und Palette zu arbeiten? „Ich denk da manchmal drüber nach, aber ich hab das alles zu lange gemacht und ich hab das durchexerziert. Es ist für mich nichts Neues mehr dabei, was mich kitzeln würde.“

Heute Abend um 19 Uhr wird die Ausstellung eröffnet und es dürfte die beste Gelegenheit sein, um in die Sphären der Computerkunst einzutauchen und mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen. Im Anschluss kann die Ausstellung bis zum 23. April immer mittwochs bis samstags von 14 bis 19 Uhr besucht werden.

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