Fisch ist gesund, sagen Ernährungswissenschaftler, deshalb sollte er auf einem ausgewogenen Speiseplan nicht fehlen. Aber wo kommt der Fisch eigentlich her? Aus den großen Meeren mit ihren unerschöpflichen Vorräten an Meeresfrüchten? Denkt vielleicht so manch einer, der seine Nahrung nicht selbst jagt, sondern aus der Tiefkühltruhe des Supermarktes bezieht und medial vermittelte Bilder von riesigen Heringsschwärmen vor Augen hat. Ausgerechnet diese Heringe, genauer gesagt die Ostseeheringe, sind aber in ihrem Bestand akut bedroht.


Dem Landwirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommerns Till Backhaus geht diese Einstellung jedoch zu weit: „Fischen, bis die Heide wackelt, das kann nur in die Idiotie führen“, entgegnet er scharf und erinnert daran, dass ein ausreichender Fischbestand schließlich die Lebensgrundlage der Fischereiwirtschaft sei.
Zum Schutz der Fischressourcen „muss es zwischen Fischerei und Wissenschaft deutliche Symbiosen geben“, fordert er und erwartet von den Fischern, dass sie die wissenschaftlichen Daten akzeptieren. Dennoch hält auch er die EU-Richtlinien für überzogen und weist auf die etwa 800 Rechtsgrundlagen hin, an die sich die Fischer halten müssen.
Angesichts des drastischen Schwundes der Ostseeheringe setzt sich auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner verstärkt für den Schutz der Fischbestände und eine nachhaltige Fischerei ein. Neben der wissenschaftlich begründeten Begrenzung der Fangmengen kündigt sie effektivere Kontrollen und schärfere Sanktionen gegen illegalen Fischfang an. „Es geht um ein Strafpunktsystem, ähnlich wie die Verkehrssünderkartei in Flensburg“, erklärt sie die Neuausrichtung der EU-Fischereikontrolle.

Während einer Ausfahrt mit der „Seeadler“ ließ sich die Landwirtschaftsministerin die Forschungsgeräte der Wissenschaftler zeigen. Das Fischereischutzboot ist für die Überwachung der deutschen Fischereizone und die Kontrolle der in ihr operierenden Fischereifahrzeuge zuständig ist. Trotz strömenden Regens wagte sie sich sogar in das Einsatzboot und drehte mit 20 Knoten ein paar Runden um die „Seeadler“.

Ilse Aigner sieht da ganz klar auch die Verbraucher in der Verantwortung. „Wir wollen eine bewusste Entscheidung für Produkte aus nachhaltig bewirtschafteten Fischbeständen“, sagt sie und weist auf Pläne für ein Fischereiumweltsiegel hin. Dafür müsse in der Europäischen Union noch ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden. Einen Verordnungsvorschlag soll bereits zu Beginn des nächsten Jahres vorgelegt werden.
Schon jetzt gibt es bereits ein Umweltsiegel des Marine Stewardship Council (MSC), einer unabhängigen Organisation, die sich für nachhaltige Fischerei einsetzt. Wer also etwas für gesunde Fischbestände und nachhaltige Bewirtschaftung mariner Lebensräume tun will, sollte beim Kauf darauf achten.