Jugendtheaterprojekt „In meinem Himmel“ feiert Premiere
Junge Leute begeistern im Peter-Weiss-Haus mit einem beeindruckenden Theaterstück
27. Oktober 2010, von Andre
In der letzten Woche bekam ich eine Mail von Alex, der mich fragte, ob ich Lust hätte, über ein Rostocker Theaterstück zu schreiben. Er lud mich auch zur Generalprobe am letzten Sonntag ein. Ich habe die Einladung gerne angenommen, ohne viel zu erwarten. Doch am Ende der Generalprobe war ich mehr als begeistert. Doch von Anfang an.
Ich betrat also den großen Saal des Peter-Weiss-Hauses und war überrascht. Jeweils drei Reihen Stühle waren links und rechts an der Wand aufgestellt, quer zur Bühne und in der Mitte auf dem Boden lagen Maisblätter. Außerdem waren noch drei Podeste zu sehen, auf denen sich die Handlung abspielte.

Das Stück, welches gespielt wird, heißt „In meinem Himmel“ und beruht auf einem Roman von Alice Sebold. Anfang des Jahres gab es auch eine Verfilmung unter der Regie von Peter Jackson.
Bereits am Anfang des Buches wird das 14-jährige Mädchen Susie Salmon vergewaltigt und getötet. Daraufhin kommt sie in eine Zwischenwelt und beobachtet die Menschen auf der Erde, ihre Familie und Freunde, wie sie mit ihrem Verschwinden umgehen. Man bekommt einen Blick dafür, wie Menschen versuchen, nach einem Verlust, wieder ein normales Leben zu führen.

Der Regisseur Christof Lange verriet mir, dass er den Film gesehen hat und fand, dass gerade die zwischenmenschliche Ebene viel zu kurz kommt. Daraufhin hat der 23-Jährige, der nebenbei im Volkstheater arbeitet und später einmal Regie studieren will, in drei Monaten ein Drehbuch geschrieben und Leute ausgesucht, die zu den Rollen passen.
Man kannte sich vom Jugendtheaterklub oder aus dem Freundeskreis. 15 Schüler und Studenten umfasst das Ensemble. Unterstützt wird das Projekt vom Peter-Weiss-Haus und im Speziellen durch die offene Kinder- und Jugendarbeit, die finanziell half, aber auch Requisiten und den Raum zur Verfügung stellte.
Ich muss zugeben, dass ich sehr skeptisch war. Ich hatte nicht das Gefühl, bei einer Theaterprobe zu sein, sondern eher auf einer Klassenfahrt. Da wurde rumgealbert, ein USB-Stick gesucht und lustige Fotos entstanden natürlich auch. Man muss dazu sagen, dass viele Darsteller noch nicht einmal 16 Jahre alt sind und sie einen doch sehr ernsten Stoff spielen. Aber dann ging das Licht aus und die Show begann.

Schon nach wenigen Minuten stellten sich meine Nackenhaare auf, Gänsehaut überkam mich. Das war so überzeugend, so echt, unglaublich. Man will schreien: „Susie, geh nicht mit deinem Nachbarn mit!“, so glaubhaft sind die Figuren angelegt. Ungefähr zwei Stunden geht das Stück und dabei kommt keine Langeweile auf. Ich bin jetzt noch erstaunt, wie großartig solch junge Menschen mit einem so ernsten Stoff umgehen. Ich hatte nie das Gefühl, in einem Theaterstück zu sein – ich konnte mich richtig in die Szenen reinversetzen.
Doch nicht nur die Akteure überzeugten in ganzer Linie, auch die Musik und die Verwendung des Lichtes taten ihr übriges. Die Verteilung der Handlung auf Podeste macht das Stück sehr dynamisch und man hat trotz der nur spärlichen Kulissen eine sehr bildhafte Vorstellung von der Szenerie.

Und ich muss zugeben, am Ende des Stückes hatte ich einen Kloß im Hals und feuchte Augen. Ich war sprachlos. Das alles ist in der Freizeit entstanden, zwei Monate wurde geprobt und das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Ein sehr emotionales, spannendes Theaterstück, das einen mitnimmt in eine Welt, die über das Diesseits hinausreicht.
So ging ich dann einen Tag später zur Premiere und freute mich für das Ensemble, dass alle Stühle besetzt waren. 100 Leute wollten sehen, was die Jugendlichen auf die Beine gestellt haben. Und auch die Premiere hat mir wieder eine Gänsehaut verpasst, obwohl ich die Geschichte ja schon kannte. Was soll ich noch mehr sagen, außer, dass es großartig war? So sah es wohl auch das Publikum, welches die Leistung mit zehnminütigen Standing Ovations auszeichnete.

Familie Walter sagte mir später, dass es ihnen sehr gut gefallen hat. Die Eltern von Hagen, einem der Darsteller, waren anfangs skeptisch. Aber als sie merkten, wie viel Fleiß und Zeit in das Stück fließen, haben sie schon gedacht, dass es gut wird. „Der Aufwand hat sich gelohnt“, sagte Petra Walter.
Auch Grit Lauer war sichtlich angetan: „Ich bin begeistert, dass Teenies ein so schweres Thema schaffen. Ich hatte Gänsehaut und feuchte Augen.“
Ich kann euch also nur wärmstens empfehlen, euch eine der nächsten Vorstellungen von „In meinem Himmel“ anzuschauen. Das Stück wird noch bis ins kommende Jahr gespielt, die nächsten Termine sind am 29. und 31. Oktober sowie am 14. November.