Deutschland im Jahre 2050: Jeder dritte Deutsche ist über 60 Jahre alt, mindestens jeder zweite davon hat Gelenkbeschwerden - Arthrose ist zur Volkskrankheit geworden.
Prof. Dr. Rainer Bader, der an der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Universität Rostock das Forschungslabor für Biomechanik und Implantattechnologie (FORBIOMIT) leitet, spricht von einem „Thema, das Jüngere und Ältere beschäftigt, denn jeder wird einmal alt und läuft Gefahr Arthrose zu bekommen“. Bereits heute hat jeder Zweite über 60 Jahren Gelenkbeschwerden, Tendenz steigend. Aufgrund des demografischen Wandels wird die Zahl weiter zunehmen.
Dabei drängt sich die Frage auf, wie die vielen alten Menschen versorgt werden sollen, woher das Geld kommen soll. „Wir müssen dafür sorgen, dass wir bis ins hohe Alter mobil bleiben“, weiß Bader die Situation einzuschätzen.
Welchen Beitrag die Medizin dazu leisten kann, darum ging es gestern Abend in seinem Vortrag „Operative Therapiemöglichkeiten bei Arthrose des Knie- und Hüftgelenks zum Erhalt der Mobilität und Selbstständigkeit im Alter“. Gehalten wurde dieser im Rahmen der Interdisziplinären Ringvorlesung „Erfolgreich Altern“, die damit auch für dieses Semester ihren Abschluss fand. Die Begrüßung der Zuhörer und Vorstellung des Referenten wurde von Thomas Kirstel vorgenommen.
Bei Arthrose handelt es sich um Gelenk- bzw. Knorpelverschleiß, der seine Ursache z. B. in einseitiger Belastung haben kann. Patienten mit Arthrose klagen über Gelenkschmerzen, Schwellungen, Steifheitsgefühle, Bewegungseinschränkung, Überwärmung oder Formveränderung des Gelenks.
„Was wir machen wollen, ist, den Patienten ins aktive Leben zurückzuholen“, gibt Bader das Ziel der Medizin aus. Bei einer fortgeschrittenen Arthrose bedeutet das derzeit eine Prothese, wie beispielsweise ein künstliches Hüftgelenk, einzusetzen. Allein in Deutschland werden jährlich etwa 200.000 künstliche Hüft- und ca. 170.000 künstliche Kniegelenke operativ eingesetzt.

Was kann die Medizin aber nun unternehmen, um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen? Es gibt eine ganze Reihe von Therapieverfahren, die geeignet sind, um geschädigtes Knorpelgewebe zu regenerieren. Wichtig ist allerdings, dass bereits frühzeitig damit begonnen wird, solange es sich noch um kleine Defekte handelt. Knorpelgewebe wächst nämlich nur sehr schlecht nach und lässt sich auf natürlichem Wege kaum regenerieren.
Ein möglicher Behandlungsansatz ist es, nicht belastetes Knorpelgewebe zu entnehmen und anschließend an die geschädigte Stelle zu transplantieren. Das große Problem dabei: Es steht nur eine sehr begrenzte Menge an Knorpel dafür zur Verfügung. Eine andere Möglichkeit ist es, dem Patienten Knorpelgewebe zu entnehmen und im Labor daraus Knorpelzellen zu züchten und diese wiederum zu implantieren. Das klingt in der Theorie zunächst sehr gut, allerdings ist dabei zu beachten, dass sich die Wachstumsbedingungen im Labor stark von denen im menschlichen Körper unterscheiden und es sehr schwierig und entsprechend teuer ist, die Zellen zu züchten.

Bis dahin wird der letzte Ausweg auch weiterhin Gelenkprothese heißen, wobei die Technik stetige Fortschritte macht und moderne Prothesen immer größere Bewegungsfreiheit erlauben. Am besten ist es aber natürlich, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen und Gelenkprobleme frühzeitig behandeln zu lassen.