Einen richtigen König sehen – wie hunderte andere Schaulustige warteten auch der sechsjährige Nils und seine Schwester gespannt auf den hohen Besuch, der gestern in Rostock weilte. Dann stand schließlich der Schweizer Bundespräsident im Stadthafen vor ihm, der sofort verstand und Philippe, den König der Belgier, herbeizauberte. Mit Anzug und Schlips unterschied der sich zwar kaum von den anderen Herren und seine Krone hatte er auch nicht dabei, dafür aber seine strahlende Gemahlin Königin Mathilde.
Die Belgier wie auch der Luxemburgische Großherzog waren in diesem Jahr zum ersten Mal beim informellen Treffen deutschsprachiger Staatsoberhäupter dabei. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hatte dafür die Monarchen von Belgien, Luxemburg und Liechtenstein und die Bundespräsidenten der Schweiz und Österreich zu einem Gedankenaustausch in seine Heimat eingeladen.
Thema bei einem Arbeitsgespräch am Vormittag in Bad Doberan war der demografische Wandel. Insbesondere das dünn besiedelte Mecklenburg-Vorpommern sei mit dessen Herausforderungen konfrontiert, der Infrastruktur, medizinische Versorgung und die öffentlichen Haushalte betreffe. „Daraus erwachsen viele Fragen für politisches Handeln. Die Antworten auf diese Fragen kann die Politik nicht alleine geben. Es braucht einen breiten Austausch, einen gesamtgesellschaftlichen Dialog darüber, wie wir dem demografischen Wandel und seinen Folgen begegnen können“, sagte Gauck.

Zum Mittagessen lud der Bundespräsident auf das Warnemünder Fahrgastschiff „Käpt’n‘ Brass“, das die Gäste vom Ostseebad in den Stadthafen brachte, wo sie vom Oberbürgermeister Roland Methling begrüßt wurden. Recht spontan war dieser Programmpunkt noch eingeschoben worden, nachdem der Rostocker Stadtverwaltung erst kurzfristig der hochrangige Besuch bekannt geworden war, was zunächst für Irritationen gesorgt hatte. Anders als der Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche, der daraufhin in der Zeitung offen sein Desinteresse an den Gästen bekundete, konnte Roland Methling über das „Versehen der Staatskanzlei“ hinwegsehen: „Das haben wir ausgebügelt. Wir sind alle froh, dass der Bundespräsident und Ehrenbürger der Hansestadt Rostock Joachim Gauck seine Gäste in unsere schöne Hansestadt eingeladen hat“, sagte er und studierte vor dem Anlegen des Fahrgastschiffes im Stadthafen noch einmal seinen Spickzettel. „Majestät, Königliche Hoheit oder eure Durchlaucht“ – da möchte auch das Stadtoberhaupt den Überblick über die Etikette bewahren.
Während der Vormittag dem Blick in die Zukunft gewidmet war, stand das Nachmittagsprogramm ganz im Zeichen der Erinnerung an die gesellschaftspolitische Wende in Deutschland vor 25 Jahren. Nach einem Besuch im ehemaligen Stasi-Gefängnis erzählten Zeitzeugen in der Marienkirche von ihren Erinnerungen an den Herbst 1989 und ihrem Leben in der DDR-Dikatur.


Mit "Welcome" begrüßt Joachim Gauck seinen ersten Gast: das Staatsoberhaupt von Liechtenstein. Dabei wird auf dem Treffen deutsch gesprochen. 
Ministerpräsident Erwin Sellering leitete das Damenprogramm. Mit der historischen Bahn "Molli" ging es nach Heiligendamm und ins Doberaner Münster. 
Ankunft in Warnemünde 
Heinz Fischer, Königin Mathilde und Joachim Gauck auf einem Warnemünder Fahrgastschiff, wo das Mittagessen während der Fahrt nach Rostock serviert wurde. 
Reeder Rainer Müller berichtet, dass die Stühle durch breitere ersetzt, ein eigener Herd an Bord gebracht und Blumendekoration von einem Warnemünder Floristen bestellt wurden. 
Oberbürgermeister Roland Methling begrüßt die Staatsoberhäupter in Rostock. 
Gruppenfoto im Stadthafen 
Bundespräsident Joachim Gauck gibt sich volksnah. Hier gelingt Renate Kasimir ein Selfie mit dem berühmten Rostocker. 
Während Gastgeber Joachim Gauck Hände schüttelt, wirft das belgische Königspaar einen Blick auf die Rostocker Skyline. 
Herzlich aber auch kritisch wird Joachim Gauck in Warnemünde und Rostock von Schaulustigen begrüßt.