„Willkommen im Machtspielpark“, ertönt es aus den Lautsprecherboxen der BÜHNE 602. Auf der Bühne befinden sich junge Menschen, die ganz alltägliche Dinge tun: Musik hören, Zeitung lesen, joggen, mit dem Hund spielen und, und, und. Über den Lautsprecher ertönt wieder die Stimme: „Wusch!“ Alle erstarren. „Wusch!“ Sie wachen auf und verhalten sich feindselig. Noch ein "Wusch!" und alles ist wieder wie gewohnt.
Die Stimme kommt von zwei Schwestern, die Gut und Böse repräsentieren. Um die Menschen beeinflussen zu können, hatten sie sich eine Truhe anfertigen lassen und in diese den freien Willen der Menschheit eingesperrt. So entschieden sie schon Tausende von Jahren, wie sich die Menschen verhalten sollten.

Immer wieder klingen ernste Themen an, die am Ende in einer Videoinstallation gipfeln, die einen nachdenklich nach Hause gehen lässt. Ist der freie Wille wirklich besser als die Beeinflussung oder nicht?

Aber auch die unterbewusste Beeinflussung der Protagonisten durch Gut und Böse in deren Träumen zeigte deutlich den Gedanken hinter der Geschichte. „Sind Sie beeinflussbar?“, lautete die Frage, die sich das Publikum stellen sollte.

Woran die jungen Theatermacher vor allem glauben sollten, war ihr eigenes Können. „Hätten Sie den Mut gehabt?“, fragte die stellvertretende Geschäftsführerin des Hanse-Jobcenters, Denise Kraetsch, das Publikum zu Beginn. Gemeint war der Mut, der nötig ist, sich in einer Gruppe von völlig fremden Menschen zu öffnen, sich ohne Erfahrung an ein Theaterstück zu wagen und dieses zu präsentieren. Denn genau das taten die 15 jungen Rostocker, als sie sich aus freiem Willen dazu entschieden am Projekt JobAct teilzunehmen.

Neben all diesen Aktivitäten kümmerten sich die 15 außerdem um ihre Zukunft. Sie absolvierten Vorstellungstermine und beschäftigten sich mit der Frage, was sie denn eigentlich mit ihrem Leben anfangen wollen. Genau das ist nämlich der Gedanke hinter dem Projekt.
Die jungen Menschen sollen erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert werden, nachdem sie vorher einige Probleme damit gehabt hatten. Auch hierfür hatten sie während der sieben Monate eine Ansprechpartnerin in Ilona Eckhardt vom Bildungsträger IBS, die zum Beispiel beim Schreiben von Bewerbungen half.
Nach dem das Theaterstück nun auf die Bühne gebracht wurde, folgt die zweite Phase des Projekts, bei der alle Teilnehmer ein viermonatiges Praktikum absolvieren werden. Im Sommer beginnen sie dann hoffentlich alle eine Ausbildung.

Auch die Teilnehmer schienen mit sich zufrieden. „Wir sind alle auf jeden Fall selbstbewusster geworden. Man kann jetzt offener auf Menschen zugehen“, erzählte Yvonne Heinemann. Auch mit der Zukunftsplanung ginge es voran, verriet Anne Graap: „Vorher war ich ziemlich orientierungslos, jetzt will ich Restaurantfachfrau werden“, erzählte sie. Außerdem traue sie sich nun auch zu, dieses Ziel zu erreichen.

Zum bereits dritten Mal fand das Projekt nun auch in Rostock statt und wird wohl nicht zum letzen Mal jungen Menschen behilflich sein, ihren Weg zu finden. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann dies heute Abend um 19 Uhr an der BÜHNE 602 tun, wenn das Stück noch einmal aufgeführt wird.