
Unter der Leitung von Tanzlehrer Peter Mann haben zwölf Tänzerinnen und Tänzer im Alter zwischen 15 und 20 Jahren ein Tanzstück erarbeitet, das sie selbst als „kunstvoll verpackten Aufschrei einer ganzen Generation“ bezeichnen. Das nachgesetzte „jawoll!“ bekräftigt ihre Bereitschaft, sich dem sie überwältigenden Fluss entgegenzustellen, das „System zu durchschauen“ und ihm in Bewegungen künstlerischen Ausdruck zu verleihen.

Matsch steht also am Ende des Kampfes mit der Unmenge an Informationen und Gefühlen, die auf die Protagonisten in den einzelnen Szenen einstürzen. Genauso wie ihre Anzahl und Intensität, wächst auch der Anspruch an den einzelnen Menschen, sie zu bewältigen, am besten mit Höchstleistungen. In „too matsch“ erspüren die jungen Tänzer die Grenzen und machen sie sichtbar.
Unterstützt durch anschauliche Requisiten stellen sie in klar abgegrenzten Szenen verschiedene Alltagssituationen dar, in denen sich die Überforderung durch Missgeschicke, Erschöpfung und Aggressivität ausdrückt. Ein anregendes Ratespiel auch für das Publikum: Was ist hier zu viel? Und vor allem wozu das Ganze?
Obwohl die Sinnfrage als Kompass, um sich im Überangebot zurechtzufinden, erkannt wird, verstehen es die namenlosen Figuren nicht, ihn zu nutzen. Das richtige Maß zu finden bleibt schwierig, Werte werden immer wieder infrage gestellt.
Besonders beeindruckend ist eine Szene, in der einzelne Personen mit Zuneigung überschüttet werden. Zunächst lächelt die angesichts der Aufmerksamkeit Dankbare. Doch dann kippt die Stimmung und sie entzieht sich qualvoll der Aufdringlichkeit.

Bemerkenswert ist die Darbietung der beiden jungen Herren. Die anfängliche Befürchtung, dass sie mit ihren Hip-Hop Moves nur im Kontrast zu den Tänzerinnen bleiben, löst sich glücklicherweise bald auf. Ein Quartett mit ihnen und zwei Damen mit Breakdance-Elementen zählt sicherlich zu den Höhepunkten der Inszenierung. Die jedem ans Herz zu legen ist, der sich an anregendem, jungen Tanztheater erfreut.
Wer das Stück sehen möchte, hat am 23. und 24. Juni noch einmal die Gelegenheit dazu. Die Vorstellungen beginnen jeweils um 20 Uhr im Peter-Weiss-Haus und kosten an der Abendkasse acht Euro bzw. sechs Euro ermäßigt.