Wer als Gymnasiast nicht bis zum Abitur warten will, um Universitätsluft zu schnuppern, kann sich in Rostock für ein mediengestütztes Juniorstudium einschreiben. Neben den alltäglichen Schulaufgaben besteht so die Möglichkeit, sich vor einem Studium intensiver mit einem bestimmten Fachbereich auf wissenschaftlichem Niveau zu beschäftigen.
„Wir fördern Schüler, die mehr machen wollen, als in der Schule angeboten wird,“ sagt Professor Dr. Djamshid Tavangarian, Leiter des Lehrstuhls für Rechenarchitektur, bei dem das Projekt angesiedelt ist.
Die Juniorstudenten können an 26 Lehrveranstaltungen aller Fakultäten teilnehmen. Allerdings müssen sie sich dafür nicht in Rostocker Hörsäle begeben, sondern können bequem vom heimischen Computer aus lernen. Möglich wird dies durch eine webbasierte Lernumgebung. Mithilfe der Internetlernplattform stud.ip werden Lernmaterialien bereitgestellt und der Austausch von Schülern, Dozenten und Tutoren gesichert. Damit sich die Beteiligten nicht nur virtuell kennen lernen, werden pro Semester drei Präsenzveranstaltungen angeboten.

Für ihn ist gute Bildung unverzichtbar. Gerade in Deutschland sieht er die Förderung von Know-how als nötige Kompensation für fehlende Rohstoffe: „Wir wollen versuchen, die Schülerinnen und Schüler zu motivieren mehr zu studieren.“ Dem Leistungsgedanken misst er besondere Bedeutung bei. Er sieht das Juniorstudium als Schnupperstudium, um keine Zeit zu vergeuden. Probleme, die bei der Wahl geeigneter Fächer und Hochschulen sowie die Umstellung auf universitäre Lernformen entstehen, können durch das Juniorstudium schon vor dem eigentlichen Studium verringert werden.


Der Prorektor für Studium und Lehre Professor Dr. Stefan Göbel zeigt Verständnis für die Schulen: „Man kann sagen, dass sich das Wissen alle zehn Jahre verdoppelt. Diese Entwicklung im Unterricht umzusetzen, können Schulen nicht leisten. Deshalb sind solche Zusatzangebote sinnvoll.“ Gerne gibt er zu, dass die Universität das Juniorstudium nicht uneigennützig fördert, sondern sich damit auch den wissenschaftlichen Nachwuchs sichern will.
Nachdem das ursprüngliche Pilotprojekt zu Ende geht, soll es nun weitergeführt und etabliert werden. Kurt Schanné vom Bildungsministerium erklärt, dass das Juniorstudium bei der Novellierung des Landeshochschulgesetzes ausdrücklich verankert wird. Schon jetzt können sich die zukünftigen Studenten ihre Zertifikate als Studienleistungen anrechnen lassen und so Zeit sparen. An der Universität Rostock stellt die Anerkennung der Zertifikate kein Problem dar. Denn die Veranstaltungen des Juniorstudium sind Teil des regulären Vorlesungsverzeichnisses. Auch die Abschlussprüfungen stellen die gleichen Anforderungen an Schüler und Studenten.