„Kummerschluss mit Schlummerkuss“
Ulf Annel und das Duo „Kalter Kaffee“ spielen in der Kleinen Komödie in Warnemünde mit Sprache
22. Juli 2011, von Andre
„Deutsche Sprache, schwere Sprache“, so sagt es das Sprichwort. Dass man auch viel Spaß mit Wörtern und Buchstaben haben kann, bewiesen gestern Abend der Erfurter Kabarettist Ulf Annel und das Liedermacherduo „Kalter Kaffee“ in der Kleinen Komödie in Warnemünde. Eigentlich sollte mit Beatrice Thron auch eine weibliche Sprachspielerin dabei sein, jedoch fiel sie leider krankheitsbedingt aus.

Schon der Titel des Programms verriet den Zuschauern, in welche Richtung der Abend gehen würde. „Kummerschluss mit Schlummerkuss oder die Deutsche Sprache ist ein Witz.“ Das Theater war bis auf den letzten Platz mit gut gelaunten Besuchern gefüllt, die sich davon überzeugen lassen wollten, wie viel humoristisches Potenzial in Orthografie und Grammatik steckt.
Doch bevor es richtig losging, wurde das Publikum zunächst gefordert. Die Musiker Björn Sauer am Klavier und Tilo Schäfer an der Gitarre betraten die Bühne und spielten ein Lied im 7/4-Takt. Dabei sollte mitgeklatscht werden, was sich jedoch durch den schnellen und ungewöhnlichen Rhythmus als relativ schwierig herausstellte. Doch die Zuschauer meisterten die Prüfung und konnten sich so vom regnerischen und kalten Wetter an der Küste aufwärmen.

Und auch Ulf Annel vom Erfurter Kabarett „Die Arche“ setzte von Beginn an auf Publikumsbeteiligung. Zuerst beschäftigte er sich mit der Onomastik, der Namenskunde. Auf Zuruf erklärte er auf witzige Weise die Namen einiger Gäste. Schon fast typisch gab es einen Herrn Müller und auch einen Herrn Schulz. Ungewöhnlicher war da schon Herr Wach, der selbst einen Witz für seinen Namen parat hatte: „Meine Frau sagt immer: Großes W und kleines Ach.“

Wichtigstes Utensil des Künstlers war ein großer Schreibblock, auf dem während des Abends immer wieder lustige Sprachspiele notiert wurden. So fanden sich fantasievolle Namenskonstruktionen wie „Rainer Unsinn“ neben „dem wichtigsten Mann Deutschlands“, Dieter Bohlen, wieder, der durch leichtes Umstellen der Buchstaben zu einem bloeden Hirten wurde.
Es ist erstaunlich, wie viel Spaß 30 Buchstaben machen können. Dies wusste auch schon der DDR-Schriftsteller Franz Fühmann, der mit „Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel“ eines der bekanntesten Sprachspielbücher verfasst hat. Aus der im Rostocker Hinstorff Verlag erschienen Neuauflage trug Ulf Annel die Geschichte der Schneeseefee vor.

Über den Abend verteilt gab es dann noch Lieder von gescheiterten Existenzen und dem Leben auf dem Dorf zu hören, es wurden Reime geschüttelt und Worte präsentiert, die sich rückwärts und vorwärts gleichermaßen lesen lassen.
Am Ende gab der Kabarettist noch den Ratschlag, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, denn mit Buchstaben könne man einfach tolle Geschichten erleben.

Zukünftig auch mehr auf witzige Sprachphänomene achten wollen Helga und Hans-Günter Schellbach aus Hamburg. Die Urlauber nutzten den regnerischen Abend, um in die Kleine Kommödie zu gehen. „Und das hat sich auch gelohnt, es war wunderbar“, resümierte Helga Schellbach. Und auch ihr Mann fand es sehr erfrischend rübergebracht. Auch das Ehepaar konnte eine kuriose Sprachgeschichte erzählen. „An einer Hamburger Kreuzung steht ein Schild zum Krankenhaus und direkt darunter ist ein Wegweiser zum Friedhof angebracht.“
Sprache kann also ebenso wie das Wetter in letzter Zeit nicht nur sehr trocken sein. Man muss nur genau auf seine Umwelt achten und mal versuchen, ein wenig mit Buchstaben zu jonglieren. Wie wäre es zum Beispiel mit Ostrock in Rostock?