A-cappella Comedy Lalelu im Moya
Das Moya schließt seine Pforten
16. Januar 2011, von Phillip
Das Moya in Rostock schließt an diesem Wochenende seine Pforten für immer. Der Vermieter Peek & Cloppenburg möchte künftig auch den unteren Bereich des Gebäudes selbst nutzen, sodass der beliebte Veranstaltungsort weichen muss. Mit etwas Glück geht es aber schon Mitte des Jahres an einem anderen Ort weiter, stellte der Betreiber Niels Burmeister in Aussicht.
Auch wenn die Schließung des Moyas für viele Rostocker ein Grund zur Trauer sein dürfte, gab es gestern Abend trotz allem noch einmal etwas zu lachen für die Besucher der letzten Veranstaltung. Denn dort präsentierte das Quartett Lalelu seine Show mit dem Titel „Grundlos eitel“.
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Lalelu, das ist nicht etwa der Mann im Mond, sondern das sind Tobias Hanf, Sören Sieg, Jan Melzer und Sanna Nymann. Letztere stellt laut Homepage „eine gewagte, aber recht gelungene Mischung aus einem Finnen und einer Mecklenburg-Vorpommerin“ dar. In ihrem Programm „grundlos eitel“ machen sich die vier auf, dem Publikum einen humorvollen Einblick in die deutsche Seele zu geben.
Irgendwo zwischen A-cappella, Comedy, Show, Pop, Klassik und Parodie ist das Ganze angesiedelt. Dabei machen die Gesangskomiker vor nichts halt, parodiert wird alles und jeder, von Politikern über Sportler bis hin zu TV-Sternchen. Stets aber in aufwändige und anspruchsvolle Arrangements verpackt, egal ob Eigenkomposition oder umgedichtetes Liedgut wie etwa Max Mutzkes „Can‘t wait until tonight“.
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Neben klassischen A-cappella Stücken, wurde auch ein Rap-Battle veranstaltet, bei dem jeder der vier Sänger einen anderen Teil Deutschlands repräsentierte und natürlich am Ende Sanna Nymann als „Meck-Pomm Finnininininin“ das Rennen machte.
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Aber auch die Verspätungen der Deutschen Bahn oder die zunehmende Zahl an Anglizismen in der deutschen Sprache wurden humorvoll in Form von Liedgut durch den Kakao gezogen. Dass Jan Melzer dabei auch mal ein Gitarrensolo überraschend authentisch singt, gehört zum guten Ton. Als Tobias Hanf schließlich im fliegenden Wechsel Angela Merkel, Franz Beckenbauer, Gerhard Schröder, Edmund Stoiber und noch eine ganze Reihe weiterer berühmter Deutscher parodierte, fing auch der allerletzte im Saal an zu lachen.
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Und wenn ihr schon immer einmal wissen wolltet, welches wohl der eitelste deutsche TV Moderator ist, dann haben Lalelu auch dafür die Antwort parat: „Der Eitelste, der jemals da war, ist Jörg Pilawa.“ Trotz aller Eitelkeit und obwohl sie Dieter Bohlen zum Weltkulturerbe ernennen wollen, ist es doch ein Jammer, dass die deutschen bis zum Jahr 2222 ausgestorben sein werden, zumindest wenn man der Zukunftsprognose von Lalelu Glauben schenkt.
Bis dahin haben die vier aber ja noch viel Zeit, um jede Menge Shows zu spielen und den Menschen zu zeigen, was Deutschland ausmacht. Vielleicht ist ja doch noch was zu retten, auch wenn wir „sein wollen wie Brad Pitt und alles was wir hinbekommen, ist Jürgen Vogel.“
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Beim Publikum kam die Show auf jeden Fall sehr gut an. Nicht nur der Applaus wollte am Schluss gar nicht mehr enden – und das, obwohl Lalelu bereits mehrere Zugaben gespielt hatten. Auch im Anschluss lobten die Zuschauer die Darbietung nicht nur als amüsant und unterhaltsam, sondern betonten auch den hohen musikalischen Anspruch der Kompositionen und Arrangements. Wer diese in Zukunft im heimischen Wohnzimmer genießen wollte, der konnte nach der Show noch eine CD erwerben.
Für das Moya war es ein würdiger Abschied von Rostocks Veranstaltungsbühne. Bleibt nur noch, uns vom Moya zu verabschieden und uns für die vielen tollen Veranstaltungen zu bedanken! Und natürlich die Hoffnung, dass das Moya möglichst bald an anderer Stelle in Rostock wieder aufersteht.