Moderne Häuser für die Baulücken in der Östlichen Altstadt

Landesinitiative „Neues Wohnen in der Innenstadt“ fördert Bauherren, die in der historischen Innenstadt Wohnhäuser bauen wollen

14. März 2012, von
Für die Brachfläche am Alten Markt soll bald ein Bauantrag vorgelegt werden.
Für die Brachfläche am Alten Markt soll bald ein Bauantrag vorgelegt werden.

Der Traum vom eigenen Haus in Rostocks Innenstadt und der Wunsch der Stadt, Baulücken in der zumeist denkmalgeschützten Umgebung zu schließen – mit der Initiative „Neues Wohnen in der Innenstadt“ sollen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.

Mit Beratung und Planungshilfe, aber auch mit Fördermitteln wurden seit 2005 landesweit bereits 25 Bauvorhaben in acht Städten durch diese Initiative unterstützt. In Rostock haben bisher sieben Projekte davon profitiert. Ein weiteres wird gerade vorbereitet. Vier Häuser sind bereits fertiggestellt worden, informiert Reinhard Wolfgramm, Geschäftsführer der als Sanierungsträger zuständigen Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (RGS).

Eine Untersuchung der Stadtplaner habe ergeben, dass es noch ungefähr 20 kleinere Baulücken in der Innenstadt – vor allem in der Östlichen Altstadt, aber auch in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt – gebe, auf die ein Einfamilienhaus passt. 90 Prozent davon befinden sich in Privateigentum.

Doch private Grundstücksbesitzer bleiben einem Bauvorhaben in der Innenstadt gegenüber oft skeptisch. „Ein Eigenheimbau konkurriert nach wie vor mit anderen Standorten auf der grünen Wiese“, erklärt Peter Ebert, von der Planungsgruppe Stadt und Dorf, die im Auftrag der RGS die Baulücken untersucht. Archäologische Grabungen, schwierige Gründungsverhältnisse – als zu kompliziert, langwierig und zu teuer fasst er ihre Vorbehalte zusammen.

Odett Freiberg und Burkhard Doß vor dem Grundstück, auf dem bald ein Wohnhaus errichtet wird
Odett Freiberg und Burkhard Doß vor dem Grundstück, auf dem bald ein Wohnhaus errichtet wird

„Ich habe mich davor gescheut, hier ein Haus zu bauen“, sagt auch Burkhard Doß, der bereits im Jahr 2001 zwei Grundstücke in der Kleinen Goldstraße erwarb. Doch nun will er hier ein Wohnhaus bauen und in zwei bis drei Jahren mit seiner Familie einziehen. Die Begleitung des Bauvorhabens durch die Initiative „Neues Wohnen in der Innenstadt“ ermöglicht es ihm frühzeitig mit den Stadtämtern über Themen wie planungsrechtliche Vorgaben, Abstandsregeln zu benachbarten Gebäuden, Stellplätzen oder Denkmalpflege ins Gespräch zu kommen.

Nur sieben Meter breit war die Baulücke in der Großen Goldstraße, in der Wolf-Peter Uhde sein Eigenheim errichtet hat
Nur sieben Meter breit war die Baulücke in der Großen Goldstraße, in der Wolf-Peter Uhde sein Eigenheim errichtet hat

„Um die Qualität der Architektur zu steigern, werden die Bauherren gebeten an einem Wettbewerb teilzunehmen“, erklärt Reinhard Wolfgramm das Verfahren. Drei Architekten, die ausgelost und mit jeweils 1500 Euro gefördert werden, erarbeiten daraufhin einen Entwurf, der sowohl die Interessen des Bauherren, als auch die der Stadt berücksichtigt. Ein Gremium aus Vertretern der Stadtverwaltung, des Sanierungsträgers und Bauherrn diskutieren die Vorschläge, bevor sich der Bauherr schließlich für eine Variante entscheidet. Für die weitere Planung vergibt die RGS bis zu 5000 Euro. Auch für die Realisierung des Vorhabens können weitere Neubau-Fördermöglichkeiten angefragt werden.

„Mit solchen Verfahren möchten wir dazu beitragen, dass moderne Architektur in hervorragender Qualität in der Altstadt eingesetzt werden kann“, betont Odett Freiberg von der RGS und verweist auf die mit Metallflächen gestaltete Fassade eines Neubaus in der Großen Goldstraße. Zuvor sei auf der kleinen Fläche der Parkplatz seiner Zahnarzt-Praxis gewesen, erzählt Wolf-Peter Uhde, der mithilfe dieses Programms nun hier seinen Alterswohnsitz errichtet hat. „Mit Ende 60 überlegt man sich, ob man noch ein Haus baut.“ Doch mit dem Ergebnis zeigt sich der Bewohner des viergeschossigen Hauses nun zufrieden. Barrierefreiheit, Energiefreundlichkeit, Dachgarten – viele Vorstellungen der Bewohner flossen in die Gestaltung des Hauses ein. „Ich war doch sehr erstaunt, wie offen und großzügig die Ämter waren“, erinnert er sich auch an ein vorheriges Bauprojekt, das sich eng an historische Vorbilder halten musste.

„In den denkmalgeschützten Bereich der Altstadt sollen in Abstimmung mit den Denkmalpflegern auch bewusst andere Materialien eingebracht werden“, erläutert Odett Freiberg.

Neubau von Dirk Sobotka im Rostocker Gerberbruch
Neubau von Dirk Sobotka im Rostocker Gerberbruch

Auch das neue Eigenheim von Dirk Sobotka im Gerberbruch fügt sich mit moderner Architektur zwischen einem Viergeschosser der Gründerzeit und der Alten Gerberei ein. „Wir haben versucht den Industriecharakter des historischen Ensembles wieder aufzunehmen“, erklärt der Hauseigentümer und findet schade, dass nun der alte Schornstein und weitere Teile der Alten Gerberei neuen Wohnbauten Platz machen sollen.

Auch was die Energieversorgung seines Hauses betrifft, bedauert er, dass es mit den zuständigen Ämtern nicht möglich gewesen sei, ein Konzept zu entwickeln, das die Energie der in unmittelbarer Nähe vorbeifließenden Warnow nutzt. „Fernwärme kommt hierher. Das hätten auch wir gerne gehabt. Aber wir werden nicht angeschlossen“, beklagt er weitere bürokratische Hürden.

Derzeit werden drei weitere Projekte vorbereitet: im Küterbruch 8c, im Ellernhirst 4/5 und am Alten Markt 7.

Weitere Informationen findet ihr auf der RGS-Website.

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