Hier begann gestern meine Tour durch die siebente „Lange Nacht der Wissenschaften“. Das Marine Science Center befindet sich im Yachthafen Rostock Hohe Düne an der Ostmole. Drei Stationen wollte ich besuchen. In der gesamten Region Rostock hatten wissenschaftliche Einrichtungen ab 18:00 Uhr zu Vorträgen, Präsentationen und Schauvorlesungen eingeladen.
Im Robbenforschungszentrum des Instituts für Biowissenschaften, auf dem Sonnendeck des ehemaligen Fahrgastschiffes LICHTENBERG herrschte reges Treiben. Viele Rostocker nutzten die Gelegenheit, um den Forschern bei ihrer Arbeit mit den Robben einmal über die Schultern zu schauen.

Da wurde ich schon Zeuge eines beeindruckenden Experiments. „Luca“ hängte seinen Kopf in einen Ring, der an einer Schnur kurz über der Wasseroberfläche baumelte. Davor befand sich eine Art Schautafel mit drei Fenstern. Nele Gläser öffnete nun als Erstes das mittlere der Fenster und ein Symbol erschien darin. Dann öffnete sie die äußeren Fenster und 2 weitere Symbole waren zu sehen. Von diesen suchte sich „Luca“ eines aus, schwamm darauf zu und berührte es mit der Schnauze. Daraufhin ertönte ein Pfiff aus der Pfeife der Biologin und ein kleiner Fischhappen flog durch das Fenster.

Der Pfiff aus der Pfeife sei ein Signal für die Robben. Es bedeute, dass sie eine Aufgabe gut erledigt hätten. Ein laut ausgesprochenes „Nein“ dagegen verrate ihnen die Fehlerhaftigkeit ihres Verhaltens, wurde mir dann noch erklärt. Die Kommunikation zwischen Tier und Mensch erfolge auf der Forschungsstation immer über verbale Zeichen und Handzeichen. Ich sah an diesem Abend unheimlich viele davon. Ein Hund kann im Gegensatz dazu kaum einmal „Sitz“ machen und ein Stöckchen holen. Unglaublich also, wie intelligent diese Meereswesen sind.

Ich sah der Robbe „Henry“ noch dabei zu, wie sie einem Taucher begegnete, wie sie Bauchklatscher machte und einen roten kleinen Ring apportierte. Schließlich musste ich aber weiterziehen. Meine nächste Station war die Philosophische Fakultät in der Ulmenstraße.

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Sucharowski und Bastian Schwennigcke erklärten, was es damit auf sich habe. Als Erstes zeigten sie jedoch einen kleinen Film über eine Szene, die sich an einer Rostocker Ampel abgespielt haben könnte. Er handelte von mehreren Personen, die an einer Straße auf das grüne Ampelzeichen warteten. Einer von ihnen jonglierte mit Bällen. Plötzlich fiel einer seiner Bälle auf die Straße.
Die Kommunikationswissenschaftler erörterten im Anschluss daran, wie vollkommen unterschiedlich die übrigen Personen an der Ampel die Situation eingeschätzt haben könnten.

Nun hatte ich mir sogar eine Menge an theoretischem Wissen angeeignet. Das Café „À Rebours“ neben der Nikolaikirche sollte der letzte Anlaufpunkt meiner persönlichen „Nacht der Wissenschaften“ werden. Die großartige Literatur des Fin de siècle sollte dort vom Schriftsteller Rüdiger Fuchs zum Leben erweckt werden.

Rüdiger Fuchs gab eingangs eine Einführung in das Leben und Werk von Joris-Karl Huysmans. Anschließend erklärte er, welch tiefgreifende Auswirkungen der Roman „À Rebours“ auf die moderne Literatur hatte. Der Hauptprotagonist in Sartres „Der Ekel“ sei quasi nur eine konsequente Weiterführung der Hauptgestalt in Huysmans Werk und der berühmte Singer-Songwriter Serge Gainsbourg habe das Buch gar immer bei sich getragen, erfuhr ich.

Der Schriftsteller, Rüdiger Fuchs, konnte den Roman allen Anwesenden in charmanter und angenehmer Weise näher bringen. Das gemütliche Ambiente des Cafés sorgte obendrein für Wohlbehagen.
Indes war es wirklich eine „lange“ Nacht der Wissenschaften geworden, lang und ereignisreich sowie informativ. Was hab ich nicht alles wieder dazu gelernt? Wohlgestimmt verließ ich also das „À Rebours“ und trat den Heimweg an.