
Ein halbes Jahrhundert ist es nun schon her, dass sich die „vier netten Jungs aus Liverpool“ zu einer Rock’n’Roll Band zusammenfanden und in einem Hamburger Nachtklub zum ersten Mal als „The Beatles“ auftraten. In den darauffolgenden zehn Jahren setzten sie musikalische und kommerzielle Maßstäbe, die heute noch Gültigkeit haben. Weltweit begeistern sie seither über Generationen hinweg ihre Fans.
Davon gibt es auch in Rostock eine ganze Reihe, wie bei der Uraufführung von „Lange Straße Abbey Road“ im Theater im Stadthafen am Montagabend deutlich wurde. 200 Gäste wollten im ausverkauften Theater die Rostocker Hommage an die Beatles sehen, an der schon im Vorfeld zahlreiche Akteure vom Landesverband für Populäre Musik und Kreativwirtschaft, der Hochschule für Musik und Theater, dem Institut für Neue Medien und das Rostocker Volkstheater mitwirkten.

Gleich am Anfang wurden auf einem Split-Screen die Parallelen deutlich. Links lief der schwarz-weiße Originalfilm „A Hard Day’s Night“ mit den Beatles, rechts die farbige Rostocker Version mit den Plastic Wings. So heißt die fiktive Band aus „Lange Straße Abbey Road“, die von der Hansestadt aus die Musikwelt erobert. Die witzig-freche Art, wie die Musiker mit der überwältigen Aufmerksamkeit durch Fans und Medien umgehen, gleicht sich auf verblüffende Weise. Durch das Festhalten an visuellen Vorgaben bleibt der Transfer in die Gegenwart jedoch teilweise etwas inkonsequent (Würden hysterische Fans etwa heute wirklich noch CD-Läden stürmen?). Den Original-Vorgaben, der Musik, dem coolen schwarzen Rollkragen-Look kann man dann wohl doch nichts mehr hinzufügen.
Das ist auch gut so für eine Beatles-Hommage. Sehr erfreulich war, dass die Songs der Beatles, die live auf der Bühne von sieben Musikern gespielt wurden, den originalen treu blieben und trotzdem auf interessante und angenehme Weise eigenständig waren. Dafür sorgte nicht zuletzt auch die eindringliche Stimme der Sängerin Anna Janine Wöhrlin. Der Enthusiasmus und die Spielfreude der Musiker (wen wundert’s bei der Musik) übertrug sich auch auf das Publikum. Viele wären bestimmt gern zum Tanzen aufgesprungen, wenn da nicht die Theaterstühle gewesen wären.

Johanna, Paul, Gerda und Richard dargestellt von Sandra-Uma Schmitz, Andreas Köhler, Maria Radomski und Tim Ehlert entsprachen den legendär gewordenen Charakteren der britischen Band John, Paul, George und Ringo. Die unkonventionelle, reflektierte Johanna in sportlich-legerer Kleidung und der Schwiegermutterliebling Paul in bürgerlich, kariertem Anzug bilden das dominierende kreative Duo innerhalb der Plastic Wings.

Johanna konzentriert sich mehr und mehr auf ihre Beziehung zu einer asiatischen Schönheit (Hsin-Han Chang), die an Yoko Ono erinnert. Ihr gemeinsam vorgetragener Song „Strawberry Fields Forever“ stellte einen der vielen Höhepunkte in „Lange Straße Abbey Road“ dar und sorgte für Gänsehaut.

Und mit welchem Beatles-Stück könnte man diese Trennung passender untermalen als mit …?
Stopp, das wird natürlich nicht verraten - die Auflösung gibt es am 5.November, 2., 3. und 4. Dezember im Theater im Stadthafen.