Ein Licht für jede Frau 2012 - Aktion setzt Zeichen gegen Gewalt

700 Kerzen brannten heute für die Frauen, die in Rostock im letzten Jahr Schutz vor Gewalt suchten

20. November 2012, von
Aktion: Ein Licht für jede Frau 2012 auf dem Doberaner Platz
Aktion: Ein Licht für jede Frau 2012 auf dem Doberaner Platz

700 Frauen suchten im letzten Jahr Hilfe und Schutz im Frauenhaus, in der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und in der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt des Vereins Frauen helfen Frauen, weil sie von Gewalt betroffen waren.

Für jede dieser 700 Frauen brannte heute Abend auf dem Doberaner Platz eine Kerze. In diesem Jahr unter dem Motto „Gewalt beleuchten – denn Schweigen schützt die Täter“.

„Wir wollen Öffentlichkeit herstellen, damit die Betroffenen wissen, dass sie nicht allein sind. Gewalt gegen Frauen geht uns alle an. Jede vierte Frau ist in ihrem Leben Opfer von körperlicher oder sexualisierter Gewalt“, erklärt Annett Linke-Gottwald das Anliegen der Aktion.

„In den Medien tauchen oft nur die spektakulären Fälle auf. In letzter Zeit besonders solche, in denen Fremdtäter zuschlagen“, bezieht sich die Leiterin der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Petra Antoniewski auch auf den Fall Rebecca, der vor einigen Wochen, die Rostocker bewegte. „Das ist genau das, was wir in der Praxis aber weniger erleben. Beim größten Teil der Fälle, die wir in der Beratungsstelle haben, kommen die Täter aus dem unmittelbaren Umfeld.“

Um 215 Fälle kümmerte sich die Beratungsstelle. Bei fast der Hälfte waren Kinder und Jugendliche betroffen. Bei der anderen Hälfte – den Erwachsenen – waren ganz deutlich vor allem Frauen Opfer von sexualisierter Gewalt, die Beratung suchten. „Das hat mehrere Gründe“, erläutert Petra Antoniewski: „Zum einen sind Frauen viel häufiger betroffen, zum anderen ist es vermutlich für betroffene Männer auch aufgrund ihrer Sozialisation schwieriger, sich zu outen.“

„Es müssen nicht immer die blauen Flecken sein. Wenn Sie bei einem Paar ein ungutes Gefühl haben, sprechen Sie es an. Unsere Erfahrungen und viele Umfragen belegen, dass viele Frauen darauf warten, auf ihre Situation angesprochen zu werden. Oft fehlt es ihnen an Kraft, sich Unterstützung zu holen. Wir wollen Mut machen. Schauen Sie nicht weg“, ruft Annet Linke-Gottwald den Passanten zu, die sich um die windgeschützten Kerzen auf dem Doberaner Platz versammeln.

Die Aktion im Rahmen der diesjährigen Antigewaltwoche steht in der Tradition des internationalen Tages gegen Gewalt gegen Frauen am 25. November, der 1999 von der UNO zur Ächtung von Gewalt gegen Frauen ausgerufen wurde. Das Datum geht zurück auf einen 1981 in Südamerika initiierten Gedenktag der Opfer von Gewalt an Frauen.

Weitere Information zu Hilfsangeboten von „Frauen helfen Frauen“ befinden sich auf der Website des Vereins.

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