Lidl stellt Projekt für Anker-Ruine in der Doberaner Straße vor
Lebensmittelmarkt, Tiefgarage und 23 Wohnungen – so sehen die Planungen des Discounters Lidl für die einstige Spirituosenfabrik „Anker“ in der KTV aus
13. Juni 2012

In die denkmalgeschützten Gemäuer der einstigen Spirituosenfabrik „Anker“ in der Doberaner Straße 144 soll jetzt neues Leben einziehen. Ein Bauantrag für das 1870 errichtete und seit Jahren leer stehende Backsteingebäude sieht im Erdgeschoss einen Lidl-Lebensmittelmarkt sowie in den drei Obergeschossen 23 Wohnungen vor. Darüber hinaus ist für die Bewohner eine Tiefgarage geplant. Die Discounter-Kunden sollen künftig 59 PKW-Außenstellplätze nutzen können.
„Die gelungene Verbindung von historischer Bausubstanz mit moderner Lebensqualität wird sich zu einem attraktiven Anziehungspunkt in unserer Hansestadt entwickeln“, lobt Oberbürgermeister Roland Methling das Projekt.
Heute (13. Juni 2012) wird das Projekt im Ortsbeirat Kröpeliner-Tor-Vorstadt (19 Uhr, KOE, Ulmenstr. 44) beraten.
Quelle: Hansestadt Rostock, Pressestelle
Aktualisierung, Ortsbeiratssitzung, 13. Juni 2012 von Stefanie:
Vier Nein-, drei Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen – mit knapper Mehrheit lehnte heute Abend der Ortsbeirat der KTV die Pläne für den Neubau eines Lebensmittelmarktes auf dem Ankergrundstück in der Doberaner Straße ab. „Ich sehe hier noch zu viele Sachen, die unklar sind“, begründete Vorsitzende Anette Niemeyer (Rostocker Bund/Graue 09) ihre Ablehnung. Sie kritisiert die Zufahrt des Lieferverkehrs und befürchtet, dass es zwischen den Bewohnern der neuen Wohnungen und den Gästen des Freigartens im gegenüberliegenden Peter-Weiss-Haus wegen des Lärms zu Konflikten kommt. Außerdem stellt sie die Verträglichkeit eines weiteren Lebensmittelmarktes zur Untersuchung des Einzelhandelgutachtens infrage. Dabei beruft sie sich auf die Aussage der Gutachter, dass der Stadtteil quantitativ bereits überversorgt sei. Nur etwa 500 Meter die angrenzende Friedrichstraße hinunter entsteht derzeit an der L22 ein Netto-Markt.
Den Bedenken konnte Ortsbeiratsmitglied Fabian Rüsch (FDP) hingegen nicht folgen. Er lobte die hochwertige Architektur und sagte: „Was ich hier sehe, ist eine Ruine, die wir eigentlich alle schon im Hinterkopf aufgegeben haben. Die bekommt jetzt eine letzte Chance.“
Von einer letzten Chance sprach auch Denkmalpflegerin Uta Jahnke. „Seit 15 Jahren beschäftigen wir uns mit dem Projekt.“ Die Nachnutzung von Industriedenkmalen sei eine große Herausforderung, die bisher wegen der besonderen Auflagen immer am Geld gescheitert ist.
Auch für Detlef Kurnoth vom Bauamt stellte die Ruine ein Ärgernis dar, welche in den letzten Jahren immer gesichert werden musste.
Trotz Ablehnung des Ortsbeirates, die nur empfehlenden Charakter besitzt, dürfte der eingereichte Bauantrag am Dienstag mit großer Wahrscheinlichkeit im Bauausschuss auf Zustimmung stoßen.