
Von Trübsal oder Abschiedsstimmung war gestern im Peter-Weiss-Haus trotzdem keine Spur. Im Gegenteil, die acht Künstler, sieben von ihnen waren von Angang an dabei, nutzten die Bühne mit ihren Instrumenten, Organen und Texten noch einmal voll aus. Gut 50 Gäste, ein paar mehr als in der vergangenen Woche im Literaturhaus Kopenhagen, lauschten so den Klangteppichen mit deutschen und dänischen Textfragmenten.
Den Anfang machten Morten Søndergaard und Randi Pontoppidan. Sie hatten durch Zufall kurz vor der diesjährigen Aufführung in Dänemark in einem Container das Innenleben eines Klaviers gefunden. Dies begeisterte die beiden so sehr, dass sie daraus kurzerhand ein eigenes Instrument für ihren Auftritt machten. Sie entlockten dem großen Seitenbrett mit Kugeln und kleinen Spielzeugen verschiedenste Geräusche, die sie mit Effektgeräten immer weiter verdichteten.
Von oben filmte eine Kamera das Geschehen, sodass die Performance um eine weitere visuelle Ebene erweitert wurde. In der Kombination mit Randis virtuoser Sprachakrobatik und den immer wieder geloopten dänischen Texten von Morten entstand ein fast sphärisches Kunsterlebnis. Das Instrument selbst durfte in der Pause von den Gästen ausprobiert werden, was auch zahlreich gemacht wurde.



Das Highlight des Abends war die gemeinsame Jamsession. Ohne vorherige Absprachen entstand so in Zusammenarbeit aller Beteiligten (bis auf Lars Skinnebach) eine dichte Klangwand, die noch einmal verdeutlichte, dass Töne als universelles Kommunikationsmittel über Grenzen hinweg funktionieren können.
Trotz des zunehmenden Erfolgs können die Literaturhäuser die Kosten in Höhe von etwa 20.000 Euro für das Zwillingsfestival in Kopenhagen und Rostock nicht mehr alleine tragen. In diesem Jahr versagte schon das Land Mecklenburg-Vorpommern die Finanzierung, weshalb Carlo Ihde auch nicht mit nach Kopenhagen fuhr. Und auch die dänische Förderung bleibt im nächsten Jahr aus. „Wir sind schon ein bisschen enttäuscht“, sagte Reiner Mnich vom Literaturhaus Rostock. „Über die drei Jahre hat sich eine enge Beziehung aufgebaut und die Kernbesetzung arbeitet einfach toll zusammen.“

Erst einmal können Kurzentschlossene heute noch einmal das Peter-Weiss-Haus besuchen und den zweiten Tag des „Lily’s Ton und Träume 2012“ genießen. Bis auf Morten Søndergaard und Randi Pontoppidan sind alle Künstler des gestrigen Tages wieder mit dabei.