Literatur im Bunker – na das ist doch mal eine tolle Abwechslung. Die Mittagshitze ermüdet zwar nicht mehr Geist und Glieder, die Abendsonne hat es aber dennoch ganz schön in sich. Da macht sich schon ein wenig Erleichterung unter den wartenden Literaturfreunden breit, als endlich der Einlass in die frühere Kriegsfestung gewährt wird.
Drinnen ist von wärmenden Sonnenstrahlen keine Spur mehr, stattdessen wird buntes Licht von den dicht plakatierten Wänden und den Schallplatten an der Decke der Cocktailbar reflektiert. Die Tischgruppen vor der kleinen Bühne sind fast vollständig besetzt, kuschelige Stimmung kommt trotzdem nicht auf. „Schön frisch ist es hier“, ja sogar fast das gleiche Klima wie im Literaturhaus, könnte man meinen. Und der Vergleich ist gar nicht mal so weit hergeholt.

In diesem Ambiente soll also die Präsentation des neuen Risse-Heftes, inzwischen schon die 24. Ausgabe, stattfinden. Seit 1997 gibt der gleichnamige Verein zwei Mal im Jahr die Literaturzeitschrift heraus, an der jeweils verschiedene Autoren der näheren und weiteren Umgebung mitwirken. Drei Autoren der aktuellen Ausgabe waren zur Buchpremiere erschienen, um aus ihren Beiträgen vorzulesen und Lust auf mehr zu machen.

Zu Beginn liest die Autorin nur gefühlte zwei Sätze vor, blättert dann in ihren Textseiten, wechselt unvermittelt die Sprache und liest einen anderen Text, der mir unverständlich bleibt. Nach einer Weile kehrt sie wieder ins Deutsche zurück: „Wenn es schneit, wenn es schneit, erinnere ich mich an meine Mutter ...“ Es folgt eine Reihe gefühlsintensiver Gedankenbeschreibungen, die nicht immer nur farbenfroh und glücklich sind.


Wie im Flug scheint die Zeit vergangen zu sein, viel zu schnell ist die Lesung zu Ende. Auf alle Interessierten und Literaturhungrigen warteten im Anschluss nicht nur das erwähnte Buffet, sondern auch Gespräche mit den Autoren und natürlich der mögliche Erwerb der Risse-Hefte. Auch die Webseite des Risse-Vereins soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.