
In Rostock gingen 250 Demonstranten auf die Straße. Nicht nur im übertragenen Sinne wehte ihnen heute auf ihrem Protestmarsch vom Rathaus um die Innenstadt herum zum Universitätshauptgebäude ein eisiger Wind entgegen. Unter dem Leitspruch „Doctrina multiplex veritas una“ über dem Hauptportal des historischen Gebäudes versammelten sich anschließend Wissenschaftler und Mitarbeiter der Universität, der HMT und der zahlreichen Forschungseinrichtungen unserer Hansestadt, um ihren Unmut kundzugeben.
„Wir möchten Freiheit für die Forschung gewährleistet haben, nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern weltweit. Wir sind angewiesen auf internationalen Austausch, um Erkenntnisse weiterzuentwickeln. Natürlich haben wir dabei unterschiedliche Perspektiven“, sagt Universitätsrektor Wolfgang Schareck.
„Es gibt keine absolute Wahrheit, sondern immer nur die beste der Wahrheiten, die wir aus der Wissenschaft versuchen zu erzielen. Widerspruch, Kritik, erneutes Überprüfen gehört zur Wissenschaft. Es gehört aber auch dazu: Fakten und Tatsachen solange zu akzeptieren, bis das Gegenteil bewiesen ist“, meint Ulrich Bathmann, Direktor des Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde.

Applaus erntete HMT-Rektorin Susanne Winnacker für ihren Hinweis, dass es möglich sei, zu demonstrieren ohne dafür im Gefängnis zu landen, wie in manch anderen Staaten. Sie unterstrich in ihrer Ansprache die Bedeutung der Demokratie und des Gemeinsinns und kritisierte eine Überbürokratisierung, die Misstrauen schüre.
Wie wichtig die Vermittlung wissenschaftlichen Arbeitens und dessen Ergebnisse sei, darauf verwies Robert Uhde. Voraussetzungen dafür seien Offenheit für Dialoge und das Verlassen von sogenannten Echoblasen in den sozialen Netzwerken. Als Organisator der Langen Nacht des Wissens nutzte er die Gelegenheit um auf die Veranstaltung am kommenden Donnerstag aufmerksam zu machen, in der die Türen vieler Rostocker Forschungs- und Bildungseinrichtungen offenstehen. Interessierte haben hier die Möglichkeit sich aus einem umfangreichen Programm aus Vorträgen, Demonstrationen und Besichtigungsmöglichkeiten über Themen und Methoden der hiesigen Wissenschaftslandschaft zu informieren.