Science March gegen alternative Fakten und für freie Forschung in Rostock
Weltweit gingen Menschen für eine freie Wissenschaft auf die Straße – in Rostock waren es etwa 250
22. April 2017, von Stefanie
Ein eisiger Wind weht derzeit der Wissenschaft entgegen. Ob empfindliche Budgetkürzungen für US-Amerikanische Forschungseinrichtungen, Diffamierung von Wissenschaftlern in der Türkei, Eingriffe in die Selbstbestimmung von Universitäten in Ungarn oder Leugnung von wissenschaftlich ermittelten Tatsachen zugunsten „Alternativer Fakten“. Wissenschaftler sehen sich zunehmend unter Druck gesetzt und in ihrer Forschungsfreiheit eingeschränkt. Dagegen regt sich Protest. Weltweit beteiligten sich heute Menschen, nicht nur Wissenschaftler, am March for Science.
In Rostock gingen 250 Demonstranten auf die Straße. Nicht nur im übertragenen Sinne wehte ihnen heute auf ihrem Protestmarsch vom Rathaus um die Innenstadt herum zum Universitätshauptgebäude ein eisiger Wind entgegen. Unter dem Leitspruch „Doctrina multiplex veritas una“ über dem Hauptportal des historischen Gebäudes versammelten sich anschließend Wissenschaftler und Mitarbeiter der Universität, der HMT und der zahlreichen Forschungseinrichtungen unserer Hansestadt, um ihren Unmut kundzugeben.

„Wir möchten Freiheit für die Forschung gewährleistet haben, nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern weltweit. Wir sind angewiesen auf internationalen Austausch, um Erkenntnisse weiterzuentwickeln. Natürlich haben wir dabei unterschiedliche Perspektiven“, sagt Universitätsrektor Wolfgang Schareck.
„Es gibt keine absolute Wahrheit, sondern immer nur die beste der Wahrheiten, die wir aus der Wissenschaft versuchen zu erzielen. Widerspruch, Kritik, erneutes Überprüfen gehört zur Wissenschaft. Es gehört aber auch dazu: Fakten und Tatsachen solange zu akzeptieren, bis das Gegenteil bewiesen ist“, meint Ulrich Bathmann, Direktor des Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde.

„Die Dummheit soll nicht die Macht übernehmen. Ich bin für faktenbasierte Entscheidungen. Ich möchte ein Zeichen setzen gegen Dummheit vor allem im Amt. Außerdem sympathisiere ich mit allen Klimawandelforschern, die gerade viel Gegenwind aushalten müssen“, erklärt Annemarie Schütz ihre Teilnahme am March for Science. Sie arbeitet im Thünen Institut für Ostseeforschung. „Wir sind zum Beispiel auch die Buhmänner für die Fischer, die uns nicht glauben, dass es dem Dorsch ziemlich schlecht geht.“
Applaus erntete HMT-Rektorin Susanne Winnacker für ihren Hinweis, dass es möglich sei, zu demonstrieren ohne dafür im Gefängnis zu landen, wie in manch anderen Staaten. Sie unterstrich in ihrer Ansprache die Bedeutung der Demokratie und des Gemeinsinns und kritisierte eine Überbürokratisierung, die Misstrauen schüre.
Wie wichtig die Vermittlung wissenschaftlichen Arbeitens und dessen Ergebnisse sei, darauf verwies Robert Uhde. Voraussetzungen dafür seien Offenheit für Dialoge und das Verlassen von sogenannten Echoblasen in den sozialen Netzwerken. Als Organisator der Langen Nacht des Wissens nutzte er die Gelegenheit um auf die Veranstaltung am kommenden Donnerstag aufmerksam zu machen, in der die Türen vieler Rostocker Forschungs- und Bildungseinrichtungen offenstehen. Interessierte haben hier die Möglichkeit sich aus einem umfangreichen Programm aus Vorträgen, Demonstrationen und Besichtigungsmöglichkeiten über Themen und Methoden der hiesigen Wissenschaftslandschaft zu informieren.