„Wenn ich zu einem Tatort gehe, stelle ich mein Gehirn auf erwachsene, schwangere Schmeißfliege.“ Mit diesem Vorgehen überprüft Kriminalbiologe Mark Benecke, wo die Insekten ihre Eier ablegen könnten und wo somit Maden zu erwarten sind. Mit Hilfe von Insekten und Spinnen kann er zum Beispiel die Liegedauer von Leichen bestimmen und so zur Aufklärung von Todesfällen beitragen. Bei seinem Vortrag in der Stadthalle gab er den Zuschauern einen spannenden Einblick in sein Arbeitsleben.

Schon im ersten Teil stellte er, ganz nebenbei, die wichtigsten Arbeitsregeln und Prämissen eines Kriminalbiologen vor. „Ich bin ein Universaldilettant und daher ist Neugier auch sehr wichtig.“ Um alles gut erkennen zu können, muss man nah rangehen und Sachen einsammeln oder fotografieren, die von Bedeutung sein könnten. Und die wichtigste Regel, die Benecke regelmäßig wiederholte, ist keine Annahmen anzustellen. Man muss das Denken abstellen und nur hinterfragen, was da ist. „An einem Tatort macht nichts Sinn, weil die Täter fast immer spinnen.“

Benecke erklärte anhand von verschiedenen Leichen, was Insekten an Tatorten verraten, aber auch, was sie verschleiern. So können scheinbare Kratzspuren einer Leiche im Wald auch von Nacktschnecken kommen, die Hautschichten beim Rüberkriechen abraspeln. Ein besonders skurriler Fall handelte von einer toten alten Frau. Auf ihrem Bein war eine offene, inzwischen schwarz abgefaulte Stelle, in der auch tote Maden lagen. Das war merkwürdig, denn Maden verlassen den Ort, wo sie gefressen haben. Es stellte sich raus, dass die Dame schon vor dem Tod eine kranke, von Maden befallene Stelle am Bein hatte. Da sie nicht wollte, dass die Insekten in der Wohnung umherkriechen, band sie das Bein mit einer Plastiktüte ab. Die Maden starben und das Bein entzündete sich schlimmer, woran die Frau dann starb.

Wer jetzt auch Lust hat, in die Welt der Maden und Leichen abzutauchen, kann sich den 18. September vormerken. Dann ist Mark Benecke im Moya zu Gast. Außerdem steht auch schon ein Termin für das Jahr 2013 fest. Am 4. Januar wird er dann wieder in der Stadthalle vortragen. Bis dahin kann man einen Blick in eins der zahlreichen spannenden Bücher der Kriminalbiologen werfen.