Die Wogen klatschen an diesem stürmischen 3. Oktober heftig an die Kaikante vor dem MAU im Stadthafen. Im Club selbst breitet sich eine gewisse Behaglichkeit aus, trotz des Themas. Es geht um Seenotrettung auf dem Mittelmeer. Mayday Relay heißt die Benefizveranstaltung. Der Begriff bezeichnet die Weiterleitung eines Notrufes im Namen eines anderen Schiffes. Gemeint sind die mit Flüchtlingen besetzten Schlauchboote, die immer wieder vor der afrikanischen Mittelmeerküste in Seenot geraten. Viele Menschen haben dabei ihr Leben verloren. Verschiedene Hilfsorganisationen haben mit eigenen Schiffen Rettungsaktionen gestartet und sehen ihren Einsatz zunehmend Behinderungen ausgesetzt. Darauf wollen die Organisatoren, der Verein Kreativsaison, die Heinrich Böll-Stiftung, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und Soziale Bildung e.V., aufmerksam machen und unterstützen.
Hunderte Besucher sind gekommen, plaudern miteinander, stöbern zwischen Kleidung, Spielzeug und Büchern und probieren vom selbstgemachten Kuchen. Viele Spendendosen sind im Raum verteilt. Mit den Einnahmen aus Flohmarkt und Kuchenbasar soll die Organisation Sea-Watch unterstützt werden. Seit drei Jahren unternimmt der Verein Rettungsmissionen auf dem Mittelmeer, um in Seenot geratende Bootsflüchtlingen zu helfen.

Einen Einblick vor Ort hat sich Luise Amtsberg, Bundestagsabgeordnete der Grünen, auf der Lifeline gemacht und bestätigt: „Es ist keine Abenteuerlust, die die Menschen auf das Mittelmeer treibt. Die Situation ist untragbar.“ Seenotrettung dürfe nicht zur Disposition gestellt werden und könne nicht isoliert von der europäischen Flüchtlingspolitik betrachtet werden. „Dass Menschen in Seenot geraten, ist der Fehler Europas in vielerlei Hinsicht nicht nur im Umgang und der Kriminalisierung der Seenotrettung.“ Sie fordert nicht nur die Verhältnisse in Libyen zu ändern, wo viele Bootsflüchtlinge starten, und legale Wege zu schaffen, sondern möchte auch die Kommunen bei der Aufnahme von Flüchtlingen stärken.
Mehr Rückenstärkung wünschen sich auch die Seenotretter. „Stattdessen macht der Innenminister Stimmung gegen die zivile Seenotrettung“, kritisieren die beiden Helfer. Wichtig sei Präsenz zu zeigen und die Bühne nicht denen zu überlassen, die dagegen sind. Das ist im Mau-Club bei Mayday Relay gelungen. 2.500 Euro an Spenden, die für Ausrüstung, aber auch juristische Auseinandersetzungen aufgewendet werden sollen, sind dabei zusammengekommen, teilten die Organisatoren heute mit.