Mr. Pilks Irrenhaus an der Bühne 602

Theaterstück von Ken Campbell feiert eine gelungene Premiere

9. April 2011, von
Jacqueline Maria Rompa, Eckhard Ischbeck und Georg Haufler
Jacqueline Maria Rompa, Eckhard Ischbeck und Georg Haufler

„Was ist Wirklichkeit in diesem Spiegelkabinett?“ Das ist die Frage, die in „Mr. Pilks Irrenhaus“ über allem steht. Dieses Irrenhaus befindet sich seit Freitag offiziell in der Bühne 602 am Stadthafen. Dort fand nämlich die Premiere des Theaterstückes von Ken Campbell statt, das Christoph Gottschalch für die Rostocker Bühne umgesetzt hat.

Eigentlich ist „Mr. Pilks Irrenhaus“ nicht nur ein Theaterstück. Es sind viele kleine Szenen, fast schon Minitheaterstücke. Man könnte auch von Sketchen reden, hätte Protagonist Pilk nicht eine große Tracht Prügel angedroht, für jeden, der seine Werke so nennt. Pilk spricht nämlich selbst zum Publikum und kommentiert die präsentierten Stücke.

Jacqueline Maria Rompa und Georg Haufler
Jacqueline Maria Rompa und Georg Haufler

Ein besonderer Kniff dabei ist, dass die Figur auch mit ihrem Autor ins Gericht geht: „Engländer sind Arschlöcher, Kanadier sind noch größere Arschlöcher, aber das größte Arschloch ist Ken Campbell!“ Pilk ist ein irischer Dichter, der viel schreibt und noch mehr trinkt. Seine Stücke sind mal philosophisch, häufig erscheinen sie sinnlos und fast immer kann man über sie lachen.

"Mr Pilks Irrenhaus" nach der Vorlage von Ken Campbell
"Mr Pilks Irrenhaus" nach der Vorlage von Ken Campbell

Da ist zum Beispiel ein Stück, das auf dem Dach eines Hochhauses in der August-Bebel-Straße spielt. Ein Mann im Einkaufswagen, mit Holzbeinen und auf Krücken, schaut auf die Stadt runter, als plötzlich jemand kommt, der sich umbringen will. Der Alte vertieft ihn in ein Gespräch und überredet den Mann, Hose, Schuhe und Mantel vor dem Sprung abzugeben. Als der potenzielle Selbstmörder doch nicht springen kann, gibt der im Einkaufswagen sitzende ihm einen Stoß und das Stück ist aus.

Weitere Szenerien sind ein Gerichtssaal, eine gemütliche Wohnung und das Zimmer eines Nervenarztes. Auf der Bühne befinden sich aber nur vier Metallquader, die jeweils zur passenden Gelegenheit umgestellt werden. Dazu gesellen sich viele verschiedene Requisiten wie Taschenlampen, dreckige Unterhosen, ein Riesenhammer und ein eine Stange Dynamit.

Die Schauspieler bei der Premiere in der Bühne 602
Die Schauspieler bei der Premiere in der Bühne 602

Das Stück wird von Jacqueline Maria Rompa, Georg Haufner und Eckhard Ischbeck gespielt. Die drei Schauspieler wechseln während des gesamten Abends unzählige Male ihre Garderobe, um so Spione, Ärzte, Cowboys und Geisteskranke überzeugend darzustellen. Dabei gab es keine Längen und sogar der ständige Umbau der der Bühne wurde hervorragend mit in das Stück integriert.

Die einzelnen Abschnitte des Theaterstückes sind sehr unterschiedlich. Mal wird ganz extrem mit Sprache gespielt, ja schon fast Haarspalterei vorgenommen. Dann wird eigentlich nur ein etwas umfangreicherer Witz erzählt, um in der nächsten Szene wieder über den Sinn von Wahrheit und Wahn zu philosophieren. Gemein haben alle Stücke, dass sie unglaublich viel Humor beinhalten. Dieser ist aber wahrscheinlich nicht jedermanns Geschmack, ist er doch teilweise sehr derb und nah an der Gürtellinie.

Ingrid Lippke und Ragnhild Fesenmeyer
Ingrid Lippke und Ragnhild Fesenmeyer

Das Premierenpublikum jedoch war begeistert und belohnte die Schauspieler mit lang anhaltendem Applaus. Auch bei der Premiere dabei waren Ingrid Lippke und Ragnhild Fesenmeyer. Die beiden Rostockerinnen lobten vor allem die drei Akteure. „Es war wunderbar ausgespielt. Die einzelnen Stücke sind sehr einfallsreich und die Pointen waren toll.“ Aber es war nicht alles perfekt. „Teilweise war mir die Fülle der angebotenen Stücke doch fast etwas zu viel“, sagte Frau Lippke. Insgesamt sei es aber ein gelungener Abend gewesen.

Was nun die Wirklichkeit in dem Spiegelkabinett ist, konnten mir die zwei Frauen aber auch nicht verraten. Und mir ist auch noch keine plausible Lösung eingefallen. Wahrscheinlich muss man das Stück einfach noch einmal sehen. Die nächste Möglichkeit dazu gibt es am 16. April, wieder an der Bühne 602.

Fotos 1, 2 und 3 von Frank Neumann

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