Der Spielplatz im Klostergarten wird erneuert
Rostocks Innenstadt fehlt es an Spielplätzen für die Kleinsten – mit einem Kommentar anlässlich des Weltkindertages
21. September 2017, von Stefanie
Vier Spielplätze sollen in Rostocks Innenstadt in den nächsten Jahren erneuert werden. Für den im Klostergarten gibt es nun schon erste Ideen, die gestern dem Ortsbeirat vorgestellt wurden. Die Pläne für die anderen drei sollen in den nächsten Monaten folgen.
Im November 2016 hatte die Bürgerschaft das vom Amt für Stadtgrün entwickelte Spielplatzkonzept bestätigt und zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt. Bis 2021 sollen damit sämtliche „Handlungsbedarfe“, die in diesem Konzept an den Spielplätzen der Hansestadt festgestellt wurden, abgearbeitet werden, kündigt Stefan Patzer vom zuständigen Amt für Stadtgrün an. Um die Voraussetzung dafür zu schaffen, wurde in diesem Jahr mit den Planungen begonnen. Für die Umgestaltung des Spielplatzes im Klostergarten werden 2019 80.000 Euro bereitgestellt.
In einer relativ frühen Phase, so Stefan Patzer, gehe die Verwaltung nun mit ersten Ideen an die Öffentlichkeit. Normalerweise werden bei Spielplatzplanungen als erstes Kinder aus Kinderortsbeiräten, Stadtteilbegegnungszentren oder benachbarten Grundschulen gefragt. Da diesem Bereich aber keine dieser Einrichtungen zuzuordnen sei, stellte der von der Stadt beauftragte Planer Thomas Henschel seine Ausarbeitungen dem Ortsbeirat vor. Schon seit einigen Jahren befasst er sich mit den anliegenden Wallanlagen, für die er an der viel diskutierten denkmalpflegerische Zielstellung mitgearbeitet hat. Auch der Eingang der Wallanlagen an der Hermannstraße mit der beliebten Figur „Die Trinkende“ wurde von ihm gestaltet.
Bei der Neugestaltung des Spielplatzes hat er sich von der Geschichte des Ortes inspirieren lassen. Er soll zukünftig Propsteigarten heißen. Denn schon früher war hier der Garten der Propstei. Auf einem Plan von 1844 sind Wege als Achsenkreuz, Bepflanzung, ein Gartenhaus und ein Schuppen zu erkennen. Als Nutzgarten diente er der Versorgung mit Obst und Gemüse.
Vor diesem historischen Hintergrund befasste sich Thomas Henschel mit alten Spielformen. „Früher hat man für Kinder keine speziellen Spielanlagen gehabt. Schaukeln, Klettern, Verstecken, Sandspiel denke ich, hat es schon immer irgendwie geben. Wir möchten gern so ein Spielprogramm wieder etablieren“, sagt Henschel. In diesem unter Denkmalschutz stehenden Raum soll an das angeknüpft werden, „wie es möglicherweise einmal gewesen ist.“
Zwei Schaukeln, eingefügt in einer Spalierwand, und Leitern zum Klettern, die an Obstbauerleitern erinnern sollen, soll es hier geben. Wie die Geräte genau aussehen, das sei noch nicht festgelegt. Zum Verstecken ist eine von Obstkisten inspirierte „Holzkistenlandschaft“ angedacht, in die Kinder hineinkriechen und hinaufklettern können. Auch Hochbeete werden hier wieder aufgestellt. Teile sollen als Sandkasten ausgebildet werden. Der Rest soll dauerhaft bepflanzt werden. „Aber bitte keine Giftpflanzen, sondern vielleicht sogar etwas Essbares“, wünscht sich Ortsbeiratsmitglied Kira Ludwig, der der Vorschlag gut gefällt. Auch Thomas Cardinal von Widdern zeigt sich angetan und findet besonders den Bezug zur Geschichte interessant. Bedenken äußert er jedoch hinsichtlich der Sauberkeit der Sandkisten.
Angeordnet werden die vier Elemente: Schaukeln, Klettern, Verstecken und Sandspiel in den Quadranten die das historische Achsenkreuz bildet. Diese soll jedoch nicht wieder als Weg hergestellt, sondern nur durch mit dem Rasen bündig gelegte Steine angedeutet werden. Vom Gedanken, die ehemalige Grenze des Probsteigartens wieder mit Hecken zu markieren, habe man sich ebenfalls getrennt, so Thomas Henschel. Man wolle den Raum nicht einengen. Es gäbe auch denkmalpflegerisch keine Verpflichtung dazu. Pflasterstreifen sollen nun darauf hinweisen.
Strittig bleibt die Zielgruppe, für die der Spielplatz gebaut werden soll. „Wir wissen aus Erfahrung, dass gerade dieser Spielplatz von sehr kleinen Kinder genutzt wird, die mit ihren Eltern oder Tagesmüttern diesen Raum aufsuchen“, verspricht Thomas Henschel den Blick zu weiten. Denn eigentlich geht die Aufgabenstellung von 7- bis 13-Jährigen aus. Für die fühlt sich die Stadt zuständig, so wie es auch im Spielplatzkonzept festgelegt wurde. Für die unter 6-Jährigen, die man nahezu ausschließlich auf dem Platz findet, müssten eigentlich die Wohnungsgrundstückseigentümer geeignete Flächen schaffen. „In den Wohngebieten klappt es in der Regel ganz gut. Aber in der Innenstadt klappt es nicht“, stellt Thomas Henschel fest. Und selbst der Ortsbeirat Stadtmitte hat in den vergangenen Monaten oft genug Bauanträge moniert, in denen sich die Bauherren von dieser Pflicht befreien ließen.

Kommentar zum Weltkindertag
Ein schönes Geschenk zum Weltkindertag war die Vorstellung der Spielplatzpläne. Doch sie offenbarte auch, wie wenig die Stadt auf die Kleinsten eingestellt ist.
Es ist schon paradox: Die Stadt wächst – nicht nur durch Zuzüge, sondern auch die Geburtenzahl steigt wieder. Die neuen Rostocker müssen natürlich irgendwo wohnen und so werden freie Flächen mit Wohnhäuser verbaut, in die auch wieder das ein oder andere Kleinkind einzieht. Die Schaffung von Spielplätzen hinkt da jedoch deutlich hinterher. Die bereits angespannte Situation wird dadurch verschärft, dass sich nicht wenige Bauherren von dieser Pflicht befreien lassen. Schließlich wird es ja immer enger in der beliebten Innenstadt, die zu den kinderreichsten Stadtvierteln gehört. Es scheint andere Prioritäten zu geben, als eine gesundheits- und entwicklungsfördernde Umwelt für die Kleinen zu schaffen und letztendlich ja nicht nur für sie. So muss sich die Stadt nun damit auseinandersetzen, dass die Auffälligkeiten bei werdenden Schülern (also bei den etwa 6-Jährigen) zunehmen. So zumindest das Fazit von Dr. med. Markus Schwarz vor dem Sozial- und Gesundheitsausschuss in seiner Einschätzung der Schuleingangsuntersuchungen.
Ein Rezept dagegen wäre das Spielen an der frischen Luft. Das haben auch die Tagesmütter erkannt, die anders als Kindergärten oftmals keine eigene Außenfläche haben und gern die öffentlichen Räume für Ausflüge nutzen. Doch geeignete Spielplätze zu finden ist schwierig. Abstände und Höhe der Geräte auf städtischen Spielplätzen, die für ältere Kinder gedacht sind, sind einfach zu gefährlich, auch wenn das die Kleinen natürlich anders sehen. „In Erweiterung des Versorgungsauftrages (soll) zunehmend mehr diesem sich entwickelnden Nutzungstrend entsprochen werden“, heißt es dazu im neuen Spielplatzkonzept angesichts der vielen Tagesmütter, die nicht zuletzt auch die Knappheit an Krippen- und Kindergartenplätzen in der Stadt erträglicher machen. Die Stadt hätte im Klostergarten die Chance dazu, bekennt sich aber noch nicht eindeutig, indem sie die Aufgabenstellung zur Umgestaltung nicht entsprechend anpasst. Dabei gibt es bereits einen für ältere Kinder attraktiven Spielplatz in den benachbarten Wallanlagen. So bin ich als Anwohnerin und Mutter einer fast 2-Jährigen schon eher dazu geneigt, den Platz so zu belassen wie er ist. Die niedrigen Holztiere – zugegeben mit Verschleißerscheinungen – , die Rasenfläche, die Bäume und die Schaukel kommen gut bei den Kleinen an. Nur ein richtiger Sandspielplatz müsste noch her. Schaufeln und Eimer bringen wir selbst mit.