Landstromanlage und neues Kreuzfahrtterminal in Warnemünde

Mehr Komfort für Passagiere und grüner Landstrom für Kreuzfahrtschiffe – Hochbau für neues Kreuzfahrtterminal in Rostock-Warnemünde beginnt

21. November 2019, von
Ein Zelt diente bislang am Liegeplatz P8 in Warnemünde als Kreuzfahrtterminal (Foto: Archiv)
Ein Zelt diente bislang am Liegeplatz P8 in Warnemünde als Kreuzfahrtterminal (Foto: Archiv)

Es war einfach nicht mehr zeitgemäß, das temporäre Terminalzelt, das bislang am Warnemünder Liegeplatz P8 für die Abfertigung der Kreuzfahrtpassagiere diente.

Für viele ausländische Passagiere war es das erste, was sie von Rostock sahen – keine schöne Visitenkarte für Stadt, Land und Bundesrepublik. Doch das neue Empfangsgebäude nimmt langsam Gestalt an.

Hochbau für neues Kreuzfahrtterminal in Warnemünde beginnt

186 Meter lang und 30 Meter breit wird das neue Kreuzfahrtterminal am Liegeplatz P8 in Warnemünde. Zum Saisonstart im Frühjahr 2020 soll es eröffnet werden, freut sich Jens A. Scharner, Geschäftsführer des Hafenbetreibers Rostock Port.

So soll das neue Kreuzfahrtterminal in Warnemünde aussehen (Visualisierung: Bastmann+Zavracky BDA Architekten GmbH)
So soll das neue Kreuzfahrtterminal in Warnemünde aussehen (Visualisierung: Bastmann+Zavracky BDA Architekten GmbH)

Im Winterhalbjahr 2018/2019 erfolgte die Tiefgründung und Betonierung der Fundamentplatte für den Gebäudekomplex. 556 Stahlbeton-Bohrpfähle wurden dafür elf Meter tief in das Erdreich gerammt. Jetzt startet der Hochbau des Terminals, das unter dem Namen „Warnemünde Cruise Center 8“ (WCC8) läuft.

Wie schon das Warnemünde Cruise Center am Liegeplatz 7 erhält auch das WCC8 eine Glasfassade. Aktuell wird bereits an der Stahlkonstruktion für das Dach und die Halle gearbeitet. Rund 1.600 Kubikmeter Beton, 900 Tonnen Bewehrungs- und Profilstahl, 2.100 Quadratmeter Trapezblech und 1.900 Quadratmeter Sicherheitsglas werden für das neue Kreuzfahrtterminal verbaut. Im Außenbereich entstehen 20 Auto- und 17 Busstellplätze.

Direkt neben dem Terminalgebäude wird ein zweistöckiges Servicegebäude mit einer Grundfläche von 490 Quadratmetern je Etage errichtet. Neben Platz für Mitarbeiter und Technik des Hafens wird es hier auch Räume für Zoll und Bundespolizei geben.

Ortsbeiratsvorsitzender Alexander Prechtel (v.l.), Aida-Chef Felix Eichhorn, Staatssekretär Dr. Stefan Rudolph, Hafenkapitän Falk Zachau und Rostock-Port-Geschäftsführer Jens A. Scharner
Ortsbeiratsvorsitzender Alexander Prechtel (v.l.), Aida-Chef Felix Eichhorn, Staatssekretär Dr. Stefan Rudolph, Hafenkapitän Falk Zachau und Rostock-Port-Geschäftsführer Jens A. Scharner

Die Gesamtinvestitionen betragen mehr als 15 Millionen Euro. Das Wirtschaftsministerium unterstützt das Vorhaben mit rund 13,6 Millionen Euro aus Mitteln der „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW). Staatssekretär Dr. Stefan Rudolph übergab heute den Zuwendungsbescheid für die Erweiterung des „Seetouristischen Informations- und Organisationszentrums“ (SIO), wie der etwas sperrige offizielle Name lautet.

Zum 60. Geburtstag des Überseehafens ist am 1. Mai 2020 ein Tag der offenen Tür im WCC8 geplant.

Landstromanlage liefert umweltfreundlichen Strom für Kreuzfahrtschiffe

Eine „gute Botschaft für die Anwohner“ hatte Hafenkapitän Falk Zachau zu verkünden. Ab dem Sommer 2020 soll die lang ersehnte Landstromanlage in Warnemünde ihren Betrieb aufnehmen und so die Luft- und Lärmemissionen der Kreuzliner deutlich reduzieren.

Acht Megavoltampere (MVA) stehen im nächsten Jahr zur Verfügung, im 2. Bauabschnitt 2021 sind 20 MVA geplant. Bei Bedarf könne die Kapazität der Anlage sogar noch erweitert werden, um zusätzliche Liegeplätze zu versorgen. Und es werden zwei Frequenzumrichter verbaut, weist Zachau auf eine weitere Besonderheit hin. Damit können sowohl Schiffe mit europäischem als auch amerikanischem Standard versorgt werden und der Kreuzfahrthafen Warnemünde ist „in der Lage, Schiffe jeder Art ans Netz bringen zu können“ – gleichzeitig an beiden Liegeplätzen und unabhängig davon, welche Frequenz an Bord benötigt wird.

Aufschüttung für das Gebäude zur Landstromversorgung in Warnemünde
Aufschüttung für das Gebäude zur Landstromversorgung in Warnemünde

Etwa ein Viertel der Rostock anlaufenden Kreuzfahrtschiffe ist technisch für Landstrom ausgerüstet, so Zachau. Wie viele das Angebot tatsächlich nutzen werden, ist allerdings offen, denn der umweltfreundliche Landstrom ist teuer und eine Pflicht zur Abnahme besteht bislang nicht.

Auf das Drei- bis Vierfache beziffert Felix Eichhorn, Präsident von Aida Cruises, die Kosten im Vergleich zum selbst erzeugten Strom aus Schiffsdiesel. Sogar nach der angekündigten 80-prozentigen Senkung der EEG-Umlage für Landstrom, die Verbraucher und Steuerzahler berappen müssen, dürfte der grüne Strom noch doppelt so viel kosten wie der an Bord erzeugte.

Aida Cruises, die ihren Sitz in der Hansestadt Rostock hat, möchte trotzdem eine Vorreiterrolle übernehmen. Alle Schiffe der Kussmundflotte, die Warnemünde anlaufen, sind für Landstrom ausgerüstet und sollen diesen im Seebad nutzen, verspricht Eichhorn.

20,6 Millionen Euro sind bislang für die Landstromanlage veranschlagt, 90 Prozent der Kosten will das Land tragen.

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