„Es ist toll, dass nicht jeder dahergelaufene Maler eine Wand einreißen kann“, sagt Norbert Bisky. In der Rostocker Kunsthalle zeigt er zum ersten Mal eine Gesamtschau seines Werkes aus den 15 Jahren seines bisherigen Schaffens. Als die Vorbereitungen dazu vor zwei Jahren begannen, wirkte noch der Elan aus einer New Yorker Galerie nach, wo er eine Wand für seine Ausstellung zerstörte. Doch das Denkmalschild an der 1965 als einzigem Museumsbau der DDR eröffneten Kunsthalle, stoppte seine vergleichbaren Pläne. Ausführlich beschäftigte er sich mit dem Gebäude, lernte seine Architektur schätzen und konzipierte eigens dafür die Ausstellung „Zentrifuge“.
Dennoch gerät die Kunsthalle unter der Schwungkraft von Norbert Biskys Gestaltungswillen aus den Fugen und begrenzt sich nicht nur auf die über 80 Bilder an den Wänden. Auch die Wände selbst wurden schräg in den Raum gesetzt. Die Mauer, die die Ost- von der Westgalerie im Obergeschoss trennte, wurde eingerissen. Nicht nur eine nette Geste 25 Jahre nach dem Mauerfall, sondern auch eine Rekonstruktion der früheren großzügigen Raumaufteilung. Die komplette obere Etage ist dem Werk Norbert Biskys gewidmet. Es sei die größte Einzelausstellung seit vielen Jahren, erinnert sich Kunsthallenleiter Dr. Jörg-Uwe Neumann.
Die Retrospektive konzentriert sich vornehmlich auf seine Ölgemälde, die die Basis von Norbert Biskys künstlerischem Selbstverständnis bilden. Seit seinem Studium bei Georg Baselitz an der Berliner Hochschule der Künste der figurativen Malerei zugerechnet, widmet er sich auf vielfältige Weise der Figuration und ihrer Zerlegung. Vor allem seine letzten Arbeiten scheinen sich der Abstraktion zu öffnen.

Die neueste und auch die liebste Arbeit Biskys ist „Zentrifuge“, eine kinetische Skulptur, mit der der Maler die Besucher der Rostocker Kunsthalle im White Cube überrascht. Sie ist in Zusammenarbeit mit dem Berliner Technomusiker Henrik Schwarz entstanden, dessen Komposition aus einem rotierenden Lautsprecher zur Eröffnung der Ausstellung uraufgeführt wurde.
Noch bis zum 15. Februar ist die Norbert-Bisky-Gesamtschau „Zentrifuge“ zu sehen. Sie beeindruckt durch ihre kraftvollen Farben und die dynamische Komposition der einzelnen Bilder, aber auch der Ausstellung insgesamt, die von Dorothée Biller kuratiert wurde.
Die Kunsthalle Rostock in der Hamburger Str. 40 ist dienstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr geöffnet. Die Bisky-Dauerkarten kosten sechs oder acht Euro.
Beim Wirbel im Gemälde "Alles wird gut" hat sich Norbert Bisky auf einen knapp 15 qm großen Ausschnitt begrenzt. 
Die Serie Colaba entstand unter den Eindrücken der Terroranschläge in Mumbai im November 2008, die Norbert Bisky, der in der indischen Metropole zu diesem Zeitpunkt eine Einzelausstellung einrichtete, aus unmittelbarer Nähe erlebte. 
Seit über zehn Jahren hat Norbert Bisky Brasilien mehrmals besucht. Tropicalismo, Orixá und Antropofagia sind davon inspiriert. 
"Ganz schön Runter" von 2004 gehört zu den älteren Werken Norbert Biskys in der Ausstellung. 
Zwei Mal das Sandmännchen und weitere Bilder von Personen von Norbert Bisky. 
"Der Wolf als Symbol für Bedrohung und Gewalt? Das ist total bescheuert. Das geht nicht," erklärt Norbert Bisky seine dreijährige Beschäftigung mit dem mythisch aufgeladenem Tier, die er vor fünf Jahren mit dieser Erkenntnis beendete.