
Mehr als 12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Jeden Tag sterben drei Menschen, die eine Organspende hätte retten können. Der Bedarf steigt. Die Zahl der Patienten, die aufgrund ihres Alters oder Diabeteserkrankungen auf Spenderorgane oder Gewebe angewiesen sind, nimmt zu. Problematisch ist deshalb, dass die Anmeldungen für eine Spende sinken. Im letzten Jahr wurden 4.700 Organe und außerdem auch Gewebe transplantiert.

Mecklenburg-Vorpommern zählt zu den Vorreitern. Hier kommen immerhin 26 Spender auf eine Million Einwohner. Über das gute statistische Ergebnis freut sich Manuela Schwesig: „Wir wollen uns darauf aber nicht ausruhen. Jeder einzelne Fall zählt.“
Angesichts der nicht ausreichenden Spenderquote stand deshalb die Frage, wie sie zu steigern sei, im Mittelpunkt des Expertengesprächs. Zwei Ansätze wurden dabei besonders intensiv diskutiert: zum einen, wie die Bereitschaft der Bevölkerung zum Spenden erhöht werden kann und zum anderen, wie strukturelle und organisatorische Abläufe verbessert werden können.
Eigentlich ist die Zustimmung zur Organtransplantation mit etwa 75% recht hoch. Dennoch besitzen nur 17% der Deutschen einen Spenderausweis und haben sich bewusst dafür entschieden, nach ihrem Tod einem anderen ihre Organe zur Verfügung zu stellen und so Leben zu retten.
Das Hauptproblem ist die Spannungssituation, die unmittelbar nach dem Versterben des Patienten entsteht. Angesichts des Todes ihres Angehörigen reagieren viele Menschen unsicher und ablehnend gegenüber einer Organentnahme. Um dieser Unsicherheit aus dem Wege zu gehen, plädierten viele der Anwesenden für eine systematische Abfrage beispielsweise im Rahmen des Ersten Hilfe Kurses des Führerscheinlehrgangs.
Kontrovers wurde die Widerspruchslösung debattiert, wie sie etwa in Spanien gilt. Hier ist die Organentnahme zu Transplantationszwecken nach dem Tod zulässig, wenn der Verstorbene dem nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. Manuela Schwesig wies daraufhin, dass diese Lösung derzeit in der Bevölkerung in Deutschland nicht mehrheitsfähig sei.

Das größte Potenzial sahen die Experten in der Aufklärung. Der Landtagsabgeordnete Ralf Grabow aus Rostock - selbst Betroffener - hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, das Thema Organtransplantation noch stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen.

Verbesserungsbedarf sahen die Teilnehmer der Gesprächsrunde auch hinsichtlich der Strukturen und Organisation in den Kliniken selbst. Wegen der hohen Arbeitsbelastung der Ärzte wird das Thema zu oft vernachlässigt. Dies führt dazu, dass Fälle, bei denen eine Organentnahme in Frage kommt, nicht gemeldet werden und Gespräche mit den Angehörigen nicht oder nur unzureichend stattfinden. Ein Transplantationsbeauftragter, der seine Kollegen entlastet und den Angehörigen als professioneller Gesprächspartner zur Verfügung steht, könnte hier unterstützend wirken.
Der gestrige Tag der Organspende sollte für jeden Einzelnen Anlass sein, noch einmal intensiv über das Thema Organspendeausweis nachzudenken.