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Lindenpark Rostock
In den letzten Tagen war es ja sehr heiß in Rostock, viel zu heiß für meinen Geschmack. Eigentlich ein Wetter, bei dem man nicht viel tun sollte, außer gelegentlich einen neuen Eiskaffee zu bestellen. Vielleicht könnte man auch noch verfügbare ABM-Kräfte des entsprechenden Gaststättenbetriebs bitten, einen großen Palmwedel zu schwingen.. oder sich in der Nähe eines Ventilators niederlassen. Tja, das wäre zu schön, aber leider gehöre ich zu der bemitleidenswerten Sorte Mensch, die arbeiten müssen, damit sie schicke Trendgetränke bezahlen können. Mist. Da ich meinen zugegeben sehr bequemen Job also nicht für exzessive Faulheitsausübung aufs Spiel setzen wollte, war ich mehr oder weniger gezwungen, das vergleichsweise kühle Büro (schätze 50 ° C Zimmertemperatur) zu verlassen – und zwar nicht, um ins Café zu gehen. Mit der völlig überqualifizierten Canon im Gepäck (die übrigens bemerkenswert schwer werden kann, die kleine extravagante Wichtigtuerin) machte ich mich auf den Weg in den Lindenpark, der, so sagte man mir, unglaublich langweilig sein soll. – Zum Glück bin ich ja nicht voreingenommen, da muss sich schließlich jeder seinen eigenen Eindruck machen… seufz. Tatsächlich ließ sich im Lindenpark nicht allzu viel menschliches Leben bemerken. Von Zeit zu Zeit ein paar misstrauisch dreinschauende Fahrradfahrer – die Canon hatte ihr unauffälliges Teleobjektiv angelegt und baumelte nun in einem beachtlichen Radius lässig um meinen Hals. Selbstbewusste Hunde, die gelegentlich auch ihre müßigen Herrchen mitführten, und ein oder zwei engagierte Muttis, die ihrem noch wehrlosen Nachwuchs ein wenig frische Luft aufdrängen wollten. Davon abgesehen war der Lindenpark aber nicht unbedingt langweilig, immerhin gab es eine ganze Menge Bäume, Insekten, und, dazwischen, Grabsteine. … Grabsteine? Moment mal. Verwundert konsultierte ich einen meiner zehntausend Reiseführer, die in der komfortablen Canon-Tasche natürlich alle ihren Platz gefunden haben. Aha, der Lindenpark war mal ein Friedhof, und erst seit den 80er Jahren wird er als Parkanlage genutzt. Der Großteil der Grabsteine wurde entfernt. Okay, dachte ich mir, das heißt also, ich trampele hier munter auf anderer Leute Gräbern herum? – Tja, wie gesagt: nicht viel menschliches Leben zu orten hier. (Sensation: Emily macht einen Witz!) Nach einer Weile des willkürlichen Herumirrens erreichte ich den auch schon im Reiseführer erwähnten Jüdischen Friedhof. Und, jetzt mal ganz ehrlich, den fand ich wirklich sehr schön angelegt. Im Reiseführer steht “ein Platz der Trauer und Mahnung”, aber für mich war das eher ein nettes Fleckchen der Ruhe. Das Licht zwischen den Bäumen fällt großartig, sollte man gesehen haben. Der Lindenpark mag vielleicht menschenleer sein, aber er ist dafür auch sehr ruhig, sehr naturbelassen, ja fast schon romantisch. Und bei so viel Fläche fällt der Hundekot auch weniger auf (‘tschuldigung, Berliner Syndrom, in mein Gehirn ist ein Hochleistungs-Hundekacke-Detektor eingebrannt). Gerade an so unverschämt übertemperierten Tagen ein ganz heißer (Nein! Ein Wortspiel!) Tipp: dort ist es nämlich schön schattig. Wenn ihr nach einer netten Shoppingtour in der Kröpeliner Straße kurz vorm Dehydrieren durch Rostock wankt, dann gibt’s nur eins: mal im Lindenpark vorbeischauen und
21. August 2009 | Weiterlesen
Rostock - eine Stadtführung
Als ich vor ein paar Tagen erschöpft vom frühen Aufstehen aus dem Reisebus und auf das Rostocker ZOB-Pflaster fiel, da war ich schon dankbar, dass es hier nicht ist wie in Berlin: wenig Hundekot in Sicht, keine Scherben oder Zigarettenkippen in unmittelbarer Reichweite meiner Nasenspitze – danke. Das fing ja gut an. – Kaum einen anstrengenden Tag später machte ich mich, begleitet von einem netten neuen Bekannten und der feixenden Canon-Spiegelreflexkamera (sie spürte meine Inkompetenz vom ersten Moment an), das erste Mal zu einem kleinen Stadtrundgang auf. Treffpunkt: Brunnen der Lebensfreude vor dem Universitätsplatz, unter Insidern offenbar auch als Pornobrunnen bekannt. Wie man Lebensfreude definiert, sei jedem selbst überlassen, aber wenn es sich dabei um einen gängigen Spitznamen handelt, so solltest du, lieber Rostocker Ureinwohner, dich vielleicht auf die reine Freude der platonischen Liebe zurückbesinnen… so dachte ich. Und dann sah ich… .. Lebensfreude! Aber hallo! Derart inspiriert trat ich voller Elan die bevorstehende Tour an. Erste positive Überraschung: es gibt hier zwar auffällig große Zahl von Kirchen und Klöstern, manchmal sind neben Gott aber noch andere interessante Dinge im Haus. So zum Beispiel im Kloster zum Heiligen Kreuz – dort ist das kulturhistorische Museum untergebracht. Obwohl ich noch nicht lange hier bin, kann ich schon jetzt sagen, dass Rostock sicherlich jeden Ausstellungsraum, den es bekommen kann, auch braucht. Immerhin steckt die Stadt selbst voller Geschichte: die Reste der alten Stadtmauern, die bereits erwähnten Kirchen, die Altstadt und überhaupt ihr historischer Werdegang als Hansestadt geben ihr ein durchaus einzigartiges, wie sagt man neudeutsch, Flair. Seht ihr, was ich meine? – Ich jedenfalls habe hier noch viel zu entdecken, und ihr, liebe Leser, könnt diesen Kennlernprozess mitverfolgen, wenn ihr wollt. (Aber bitte nicht allzu laut lachen.) Abenteuerlich, Emily
20. August 2009 | Weiterlesen