
Gemeint ist wohl vor allem Herzeloyde, Parzivals alleinerziehende Mutter. Mit den an ihren Sohn verliehenen Kosenamen „Rosenblättchen“ könnte man sich ja vielleicht noch anfreunden.


Ja, Parzival muss noch viel lernen. Vor allem der Umgang mit Frauen stellt eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Es gibt ja schließlich noch mehr als die eigene Mutter. „Meine Mama ist die klügste Frau. Sie hat mir alles beigebracht, was man zum Leben braucht“, sagt Muttersöhnchen Parzival, als er die Edelfrau Jeschute übertölpelt. Wirklich alles? Auch das Küssen? Jeschutes Mann Orilus überrascht die beiden in einer zweideutigen Situation und sinnt auf Rache.

Tiefsinnige philosophische Fragen treiben Parzival um: „Wohin soll ich gehen? Was soll ich tun? Ist doch eh alles egal!“ Da helfen nur ein Stück Gurke und der Rat eines alten nuschelnden Mannes. Denn die sind, so der Rat seiner Mutter, oft weise (oder doch nur alt?).
Unter der Regie von Daniel Minetti gelingt es den drei Schauspielern Eckhard Ischebeck (Parzival), Jacqueline Maria Rompa (alle Frauenfiguren) und Georg Haufler (alle anderen Männerfiguren) hervorragend den mittelalterlichen Stoff in der Bearbeitung von Steffen Thiemann frisch und modern in Szene zu setzen.
Auf dem Spielplatz nebenan kann man das Stück gleich selbst nachspielen oder vielleicht sogar schon bei den dort spielenden Heranwachsenden beobachten? Auf diese Idee könnte man zumindest kommen, wenn man sich das Bühnenbild mit den Türmen, Brücken und Leitern von Wolfgang Böhler betrachtet.

„Das Zusammenspiel zwischen tiefen Weisheiten und heutiger Zeit fand ich sehr gut“, sagt Helga Gabele nach der Vorstellung. Beeindruckt hat die Lehrerin auch, dass man dies mit nur wenigen Mitteln auf die Bühne gezaubert hat. Auch Anne Bach ist von der Vorstellung angetan und lobt die schauspielerische Leistung, insbesondere die Rollenwechsel, der Darsteller.
Wer jetzt ebenfalls Lust auf einen unterhaltsamen Abend, bei dem sich Witz und Anspruch nicht ausschließen, bekommen hat, kann das Schauspiel „Parzival“ noch bis zum 3. September im Sommertheater der Compagnie de Comédie besuchen.
Es lohnt sich wirklich! Bleibt nur zu wünschen, dass das Wetter sich gnädig zeigt und viele Gäste in den Klostergarten finden.