Peter Bauer in der Galerie Art Fuhrmann
Rostocker Grafiker und Karikaturist stellt „Zeichnungen 2000-2011“ anlässlich seines 60. Geburtstages aus
11. Januar 2012, von Stefanie
Schmunzelnd und kichernd, manchmal auch betroffen, steht man als Besucher derzeit in der Galerie Art Fuhrmann. Ausgelöst werden diese Reaktionen durch das Betrachten der Zeichnungen des Rostocker Grafikers und Karikaturisten Peter Bauer. Zu seinem 60. Geburtstag sind hier etwa 70 Arbeiten aus den letzten zehn Jahren zusammengestellt worden. Eine Vielzahl, die auch die Vielseitigkeit des Künstlers zur Geltung kommen lassen soll. Von feinsinnigen und raffinierten Zeichnungen, die zum Verweilen auffordern, bis zu farbenfreudigen Straßenplakaten, die jedoch nicht weniger tiefgründig und humorvoll angelegt sind.
Wie beispielsweise seine Arbeiten für eine Zivilcourage-Kampagne der Diakonie. Mit dem Moralin tropfenden Image der kirchlichen Hilfsorganisation hatte Peter Bauer zunächst zu kämpfen. „Ich hab mich angestrengt, auch etwas Ernsthaftes zu machen. Das ging nicht“. Schließlich brachte er bunte Vögel und andere Tiere aufs Papier, um so das menschliche Verhalten heiter überspitzt und mit viel menschlicher Wärme darzustellen.
Diesen Kunstgriff benutzt Peter Bauer gern. Schon zwei Bücher hat er mit Katzen und Hunden gefüllt. In der Ausstellung sind vor allem letztere wiederzufinden. „Ich wühle das Thema durch“, erklärt Peter Bauer, erfindet fantasiereich neue Rassen und versammelt alle in einem großen Familienporträt. Satirisch malt er die Vierbeiner in sehr menschlichen Situationen mit menschlichen Zügen.

Menschen malt er natürlich auch. Rostocker Geschäftsleute, Woody Allen, Charles Darwin und Persönlichkeiten aus der mecklenburgischen Geschichte hat er abgebildet oder einen König. Seine Krone ist ihm vor die Augen und Ohren gerutscht, in der Hand hält er anstelle eines prunkvollen Reichsapfels eine gezündete Bombe, unten am Bildrand ist das abgebrannte Streichholz zu sehen, als Bildunterschrift.
Doch man muss schon ein bisschen dichter herangehen und vor dem Bild verweilen, damit sich der Witz Stück für Stück erschließt. Denn Peter Bauer liebt es, über Vordergründigkeiten hinauszugehen und mit feinen Details Pointen zu setzen. „Das ist der erste in Deutschland gebaute Schraubenraddampfer, 1851 in Rostock. Das ist alles wahr bis auf die Schraube“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln und deutet auf die Baumarkt-Schraube, wo sich eigentlich der Schiffspropeller befinden sollte.
Vor allem zeitlose Themen beschäftigen Peter Bauer, aber auch zu aktuellen Ereignissen äußert sich der Rostocker Karikaturist mit seinen Zeichnungen, die er manchmal noch mit bissigen sprachlichen Ergänzungen garniert.

Genauso wichtig wie die Idee für eine Zeichnung ist ihm jedoch auch deren grafische Umsetzung. Vom Rubensstil, über technische Zeichnungen, Radierungen bis zu Cartoons beherrscht er eine große Bandbreite und weiß sie delikat einzusetzen.
Gelernt hat er sein Handwerk während seines Studiums an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seine ersten Malversuche unternahm er schon als Kind, im Zeichenzirkel in der Schule oder allein zu Hause. „Während die anderen zur Disco gegangen sind, bin ich auf den Dachboden gegangen und hab die Balken gezeichnet“, erinnert sich Peter Bauer, der 1951 in Wismar geboren wurde.
Seit 1978 lebt Peter Bauer in Rostock und ist hier freiberuflich tätig. Mit seinen Bildern illustrierte er Bücher für Kinder und Erwachsene. International ausgezeichnet werden seine Arbeiten unter anderem vom Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch Hannover und dem Saatchi Online Gallery London gesammelt.
Die Ausstellung „Zeichnungen 2000-2011“ ist noch bis März in der Galerie Art Fuhrmann zu sehen. Auch wenn sie im Fischereihafen etwas abgelegen liegt, lohnt sich ein Besuch – montags bis freitags 10 bis 18 Uhr, am Samstag von 11 bis 13 Uhr.