Internationale Pferdeshow Royal Horse Gala in Rostock
Königspferde beeindrucken durch anmutige Reitkunst das Publikum in der Stadthalle
22. Januar 2012, von Stefanie
Pferdebettwäsche, Pferdekuscheltiere, Pferdestall von Playmobil – die neunjährige Josefine aus Sassnitz ist eine waschechte Pferdenärrin. Vor zwei Jahren hat sie das Reiten für sich entdeckt. „Dass man sie reiten und pflegen kann und, wenn man ganz gut ist, auch bei Turnieren mitmachen kann“, das macht die Faszination der Pferde für sie aus. Ihre Mutter bestätigt: „Sie wiehert, läuft und springt durch die Gegend, da hab ich mir gedacht, sie soll das Reiten mal von der professionellen Seite sehen.“ Die Royal Horse Gala gestern in der Rostocker Stadthalle bot dafür eine ausgezeichnete Gelegenheit.
Etwa 30 Pferde, überwiegend Hengste, aus Deutschland, Frankreich, Slowenien und Spanien stellten sich mit ihren Reitern den Rostocker Zuschauern vor und eroberten ihre Herzen.
Zum Auftakt liefen vier wunderschöne Friesen mit ihren barock gekleideten Reiterinnen in den Saal. Für die Vierbeiner war er extra mit einem speziellen Gummiboden und Sand ausgelegt. Wer ganz vorne saß, konnte die Wärme der kraftvollen schwarzen Riesen spüren, als sie mit geschmeidigen Bewegungen an den Reihen vorbeischwebten.

Die Reise durch die Welt der Pferde begann. Untermalt mit passender Musik und dezenten Lichteffekten, führte sie über verschiedene Kontinente und Zeiten, vor allem aber an die königlichen Hofreitschulen. Denn hier wurde die klassische Reitkunst zur Höchstform entwickelt, wie Aloyz Lah mit seinen Lipizzanern eindrucksvoll demonstrierte.
Der Oberbereiter des slowenischen Gestüts Lipica – die Wiege aller Lipizzaner, die extra für die Spanische Hofreitschule in Wien gegründet wurde – hatte auch Josefines Lieblingspferd des Abends mitgebracht: S. Perla, ein schwarzer Lipizzaner ungarischer Abstammung. Außergewöhnlich, denn nur einer von etwa 1000 Lipizzanern, die auch Kaiserschimmel genannt werden, sollen schwarz sein.

Ein weiteres Ausnahmepferd der Show war Yelo. Verblüffend, wie es Pferdeflüsterer Jean Marc Imbert schaffte, den spielfreudigen Lusitano ohne Sattel und Zaumzeug nur durch Zuruf zu lenken. Oder war es umgekehrt? Seine Freiheitsdressur setzte jedenfalls einen spannenden und humorvollen Kontrast zu der strengen Hohen Schule, wie sie auch die Familie López mit königlichen Andalusiern vom Reitinstitut Caballos Espanoles zeigte.
Courbette, Kapriole, Levade – die spanischen Vollblüter beherrschten auf eindrucksvolle Weise die Schule über der Erde, die in Zeiten entstand, als man Kriege noch vom Sattel führte. Schnaufende Nüstern, angespannte Ohren, aufmerksame Augen, bevor sich die Glieder des Pferdes in die Höhe erhoben. Das Publikum staunte teils ungläubig angesichts der außergewöhnlichen Bewegungsleistung der Vierbeiner, die „nichts anderes als die Perfektionierung von Natürlichem“ wären, beruhigte die Moderatorin.

Ausgelassenes Urlaubsfeeling zu Flamencoklängen brachte die Feria, ein andalusischer Getreide- und Viehmarkt, in die Rostocker Arena. Die Herren hatten ihre Damen hinter sich auf den Rücken der Pferde gehoben und ließen die Rüschen der farbenfrohen Kleider im Trab schwingen. Rafael López gab einen Einblick, wie mit einer 3,20 Meter langen Garrocha der Stier im Kampf gebändigt wird.
Auch die Brüder Patrick und Didier Faure aus Frankreich wussten mit waghalsigen Situationen umzugehen und führten das Publikum zu den Husaren und Bauern nach Ungarn und den Indianern nach Nordamerika. Im rasanten Galopp auf der ungarischen Post oder beim Trickreiten stellten sie ihr Können als Akrobaten und Stuntreiter unter Beweis.
„Sehr schön“, bewundert Josefine die eleganten Pferde, die Solo, Pas de deux oder in großen Quadrillen vor ihren Augen tanzten, nachdem die gut zweistündige Show beendet war.