Pflegemesse 2011 in der HanseMesse Rostock

1. Fach- und Kongressmesse für Reha und Pflege in Mecklenburg-Vorpommern

25. Mai 2011, von
Pflegemesse in der Hansemesse
Pflegemesse in der Hansemesse

Immer mehr Menschen werden immer älter. Das ist ja erst einmal eine gute Nachricht. Doch mit dem Alter steigt auch die Pflegebedürftigkeit.

Erhielten 1999 in Mecklenburg-Vorpommern noch 45. 000 Menschen Leistungen der Pflegeversicherung waren es 2009 mehr als 61.000. Vier von 100 Menschen beziehen heute Pflegeleistungen auf Grundlage des Pflegeversicherungsgesetzes. Tendenz steigend.

Doch wer soll die Pflege übernehmen? Schon jetzt wird ein Fachkräftemangel beklagt. Denn es gibt nicht nur mehr ältere, pflegebedürftige Menschen, sondern auch immer weniger Jüngere, die die Pflege übernehmen. Durch sinkende Geburtenraten, neue Familienstrukturen und die hohe Abwanderung junger Menschen nach der Wende ist unser Bundesland besonders stark von dieser demografischen Entwicklung betroffen.

Gesundheits- und Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) geht von einer Zunahme auf 102.000 Pflegebedürftigen im Jahr 2030 aus. „Insgesamt gilt es in Mecklenburg-Vorpommern einen Personalbedarf bis 2030 von 16.000 Fachkräften abzudecken“, sagte sie heute zum Auftakt der Pflegemesse in der HanseMesse Schmarl.

Michael Warkentin vom Autozentrum Südstadt ist Spezialist für den behindertengerechten Umbau von Fahrzeugen
Michael Warkentin vom Autozentrum Südstadt ist Spezialist für den behindertengerechten Umbau von Fahrzeugen

Noch bis zum 27. Mai dreht sich hier erstmals alles um die Themen Pflege und Rehabilitation. Auf rund 4000 qm Kongress- und Ausstellungsfläche stellen über 70 Unternehmen und Einrichtungen ihre Produkte und Dienstleistungen vor. Die reichen von Software für die Pflegeeinrichtungen, Desinfektions- und Reinigungsmittel, Spezialeinrichtungen und -ausstattungen, Rehabilitationshilfsmittel, Personaldienstleister, Wundversorgung bis zur Ernährung.

Begleitet wird die Ausstellung von einem Kongressprogramm, in dem der Landespflegekongress und verschiedene Weiterbildungsseminare eingebunden sind. Ziel: die Pflege zu verbessern.

Back Check bei der Pflegemesse
Back Check bei der Pflegemesse

Das betonte auch Manuela Schwesig. Die Politikerin stellte gleich einen ganzen Maßnahmekatalog mit Lösungsansätzen vor. Neben einem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff, dem nicht nur der Minutenbedarf für die Körperpflege zugrunde liegt, sondern der auch die spezifischen Bedürfnisse beispielsweise dementiell veränderter Menschen berücksichtigt, fordert sie eine zeitnahe Reform der Pflegeversicherung auf Bundesebene, die die Probleme der Versorgung dünn besiedelter Räume aufgreift und für die Versicherten bezahlbar bleibt. „Pflege darf nicht zum Luxusgut werden“, plädiert sie für eine Bürgerversicherung. Trotzdem müsse mehr Geld ins Pflegesystem.

Denn um den Pflegebedarf zu decken, werden mehr Fachkräfte benötigt. Der Pflegeberuf leidet jedoch unter einem eher schlechten Image. Oft wird er auf „Füttern und Hinternabwischen“ reduziert. „Wir brauchen mehr gesellschaftliche Anerkennung“, so die Forderung. Diese spiegelt sich nicht zuletzt in einer angemessenen Vergütung wieder. Aber auch mit familienfreundlicheren Rahmenbedingungen möchte die Sozialministerin die Attraktivität des Pflegeberufes steigern. In der Zuwanderung aus dem Ausland sieht sie ebenfalls eine Lösung. „Anlass zur Sorge, dass damit einheimische Fachkräfte verdrängt werden, besteht nicht. Denn in den nächsten Jahren ist ausreichend Arbeit für alle da, die wir nicht allein stemmen können.“

Mit einer Imagekampagne, die ebenfalls auf der Pflegemesse vorgestellt wurde, sollen nun vor allem junge Leute gewonnen werden.

Pflegenachwuchs: Marie Luise Peters und Alexander Ehm
Pflegenachwuchs: Marie Luise Peters und Alexander Ehm

Die 20-jährige Marie Luise Peters hat sich schon früh für einen Pflegeberuf entschieden. Motiviert haben sie Familienangehörige, die in der Altenpflege tätig sind und ein Schulpraktikum im Pflegeheim. Derzeit lässt sie sich in der Bodden-Klinik in Ribnitz-Damgarten ausbilden.„Es hat Zukunft. Man kann sich weiterbilden und es werden immer Fachkräfte gesucht, das ist mir wichtig“, sagt sie optimistisch.

Auch der 21-jährige Alexander Ehm hat seine Berufswahl schon getroffen. Er will Krankenpfleger werden und befindet sich schon im 2. Ausbildungsjahr. Die Entscheidung dazu fiel nach seinen Erfahrungen während seiner Zivildienstzeit, in der er stationär eingesetzt wurde und Einblicke in die Möglichkeiten und Anforderungen im Pflegebereich erhielt.

Manuela Schwesig überreicht den Altenpflegepreis
Manuela Schwesig überreicht den Altenpflegepreis

Für ihr Engagement Jung und Alt zusammenzubringen, wurden heute auch das Johanneshaus in Bad Doberan und die Regionale Schule „Am Kamp“ ausgezeichnet. Für ihr Projekt „Tintenfass und Schiefertafel versus Taschenrechner und Laptop“ erhielten sie den mit 1000 Euro dotierten „Altenpflegepreis“, der heute zum ersten Mal auf der Pflegemesse verliehen wurde.

Noch über 3.500 Besucher erwarten die Veranstalter bis Freitag in der Hansemesse. Aber nicht nur Fachkräfte sollen sich hier austauschen können, auch für Betroffene und ihren Angehörige möchte die Pflegemesse eine Informationsplattform sein.

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