
Der direkte Anblick der Figuren bringt Klarheit. Eine Figur ist tatsächlich eine kleine Tasse. Bei der anderen handelt es sich jedoch lediglich um ein Stück Pappe mit den Umrissen einer Tasse. So kann man sich täuschen! Oder sind diese Dinge, die wir aus dem Alltag kennen, auch nur Schatten von irgendetwas anderem?
Bevor das Gehirn jetzt allzu stark rumpelt, halten wir erst einmal fest: Was die wahren Dinge sind, das kann man mit den Schattenfiguren nur schwerlich ausmachen. Eine Erkenntnis, die bereits der antike Philosoph Platon im Höhlengleichnis vermitteln will. Es gilt als Standardbeispiel, um in die Erkenntnistheorie einzuführen. Studenten des Instituts für Philosophie haben es aufgegriffen und für Kinder szenisch umgesetzt.
„Platons Höhle“ stellte eine von insgesamt zwölf Stationen dar, mit denen sie Kinder bis zu 12 Jahren am Kindertag ans Philosophieren heranführen wollten. Zum ersten Mal hatten sie dafür das „Philosophische Kinderfest“ organisiert und Aktionsstände auf der großen Rasenfläche des Ulmencampus aufgebaut. Hier konnte gespielt, gegrübelt, gemalt und gestaunt werden.

Viele weitere philosophische Experimente und Gedankenanregungen warteten auf die Besucher des Kinderfestes. So konnten sie sich auf die Spuren antiker Rätsel begeben, optischen Täuschungen auf den Grund gehen oder erforschen, welche Wahrheiten sich hinter selbst kombinierten Sätzen verbergen.

Und weil das so wichtig ist, wird in unserem Bundesland ab dem ersten Schuljahr mit den Kindern in einem eigenen Unterrichtsfach philosophiert. „Mecklenburg-Vorpommern und Hawaii sind die einzigen Länder auf der Welt, in denen Philosophieren mit Kindern ab der 1. Klasse unterrichtet wird“, informiert Christian Klager, Didaktik-Dozent am Institut für Philosophie.
Aber auch außerhalb der Institution Schule lässt sich hervorragend philosophieren, wie am Kindertag auf dem Ulmencampus gut zu beobachten war.