Mucksmäuschenstill ist es im ausverkauften Audimax, als Daniel Altmann seine Ballade „Der Mantel“ vorträgt. Die Geschichte von Frau Stock, die in einer Schneiderei ihren Mantel abgibt, beruht auf einer wahren Begebenheit. Sie holte ihn nie wieder ab, denn als Jüdin wurde sie deportiert. Der Schneider bewahrte das Kleidungsstück trotzdem noch jahrzehntelang auf.
Mit diesem Text qualifizierte sich der 25-jährige BWL-Student aus Wismar bereits beim Poetry Slam in der Rostocker Kulturwoche für die Landesmeisterschaft, wo er den zweiten Platz ergatterte. Schon damals erstaunte er als Newcomer. Der Wettstreit der besten 16 Slammer aus Mecklenburg-Vorpommern, die in Stralsund, Greifswald, Neubrandenburg, Neustrelitz und Rostock ermittelt wurden, ist erst sein dritter Auftritt auf der Poetenbühne. Und auch diesmal konnte er sich gegen renommierte Slammer wie Peter Thiers, Carlo Ihde und Diego Hagen durchsetzen.

Knapp gescheitert am Finale ist hingegen Peter Thiers, der die Energie seines Vorredners fortführen konnte und mit einem Liebesgedicht inklusive Call-and-Respond-Einlage mit dem Publikum und der humorvollen Analyse von Kick-Prospekten und anderen Werbezumutungen seine Auftrittzeit von sieben Minuten angenehm ausreizte.
Er hatte sich in Stralsund qualifiziert, musste dann jedoch Almut Holmer an sich vorbeizeihen lassen. Die Erzieherin konnte einfach zwei Stimmen mehr einheimsen mit ihrer Heimatlyrik „Ode an Rostock“. In ihren auswendig vorgetragenen Reimen für einen Freund aus der Schweiz schwärmt sie glühend von der Stadt an der Ostsee, kommt dann aber doch zum Schluss, dass „Rostock nicht die schönste Stadt auf der Welt ist“. Ihr zweiter Text brachte ihr schließlich den dritten Platz im Finale ein.

So wie er gingen es viele Slammer am Abend humorvoll an. Mal in Stand-up-Comedy/Kabarett-Manier nur mit Skriptvorlage, mal frei lyrische Verse rezitierend, mal erzählend und inszenierend arbeiteten sich die Dichter an Themen aus dem Alltag wie Prüfungsstress, Geschlechterrollen, Partnersuche, Konsum und Skurrilitäten aus dem Berufsleben ab. Aber auch stille und nachdenkliche Töne wurden angeschlagen. Die Mischung war es, die den über dreistündigen Abend für das Publikum so abwechselnd und kurzweilig erschienen ließ, bis gegen Mitternacht Daniel Altmann zum Gewinner gekürt wurde. Er wird nun im Herbst Mecklenburg-Vorpommern bei den deutschsprachigen Meisterschaften im bayrischen Augsburg vertreten.