Polizei stoppt Gewaltserie einer kriminellen Jugendgruppe
Ermittler decken Serie von Gewalttaten auf – aggressive Räuber sitzen in Untersuchungshaft
8. März 2013, von Stefanie
Mit massiver Gewalt übten in den letzten Monaten eine Gruppe krimineller Jugendlicher Raubüberfälle in Rostocks Innenstadt und Nordosten aus. Im Januar schnappte die Polizei drei von ihnen auf frischer Tat, als diese einen 16-Jährigen von hinten überfielen, zu Boden schlugen und zwei Handys entwendeten. Ihre filmreife Flucht endete auf der Baustelle Hornscher Hof.
Im Zuge der weiteren Ermittlungen konnte die Polizei nun ein ganzes Puzzle von Straftaten zusammenfügen und insgesamt 16 Delikte aufklären, darunter acht Raubstraftaten, vier davon unter Einsatz einer Waffe, zwei Körperverletzungen, vier Diebstähle, Sachbeschädigung im Wert von 3.500 Euro und Beleidigung.
Gegen acht Tatverdächtige im Alter zwischen 14 und 22 Jahre wird nun ermittelt. Vier von ihnen befinden sich derzeit in Haft. Der Jüngste ist 14 Jahre alt. „Er ist gerade erst strafmündig geworden, ist uns aber auch schon in der Vergangenheit wegen anderer Delikten bekannt gewesen“, erklärt der Leiter des Rostocker Kriminalkommissariats Achim Segebarth.
Der Haupttäter, der bei fast allen Straftaten mit dabei war, ist 20 Jahre alt. „Er gilt als herausragender Intensivtäter und hat für unser Verständnis kein Unrechtsbewusstsein. Er ist ein recht aktiver und aggressiver Täter, der mit dem Opfer keinerlei Mitleid hat. Er sucht sie sich auf der Straße wahllos aus – egal wie alt, wie groß, wie klein – und wendet heimtückisch Gewalt an“, charakterisiert Kriminalhauptkommissar Detlef Kröppelien den jungen Rostocker.

Erst im September war der Haupttatverdächtige aus einer dreijährigen Haft entlassen worden. Wieder auf freiem Fuß scharrte er seine Gruppe Jugendlicher, die sich schon vor seiner Haft gebildet hatte, zusammen und beging zunächst immer mal wieder und zuletzt in kürzer werdenden Abständen Straftaten. „Für die Jüngeren galt er als Leitfigur. Sie machten aber auch ihr eigenes Ding“, beschreibt der Ermittler.
Einige von ihnen hatten schon vor ihrer Strafmündigkeit Straftaten begangen. In der Schule fielen sie jedoch nicht weiter auf, lediglich als Schulvermeider. Die Lehrer hätten sich verwundert gezeigt und ihre Schüler als lieb und nett bezeichnet. Auch die Eltern seien teilweise völlig schockiert über die Aggressivität ihrer Sprösslinge gewesen, berichtet Kröppelien.
Ein blutiges Gesicht, zwei gebrochene Rippen, Verletzungen durch Reizgas oder einer CO2-Waffe gehen auf das Konto der Straftäter.
Auf ihren abendlichen und nächtlichen Raubzügen hatten sie es vor allem auf Bargeld und Handys abgesehen. Oft waren sowohl Täter als auch manchmal die hauptsächlich jungen Opfer alkoholisiert.
In einem Fall wurde ein 58-Jähriger das Opfer einer brutalen Schneeballattacke am Dierkower Kreuz. Angezettelt vom Jüngsten folgten die Tatverdächtigen dem Mann zu seinem Auto. Als er gerade losfahren wollte, rissen sie von beiden Seiten die Türen auf, bewarfen ihn mit harten Schneebällen an Kopf und Schultern, sodass er zunächst handlungsunfähig war. Einer der Drei griff seine Aktentaschen vom Rücksitz und sie flüchteten. Als der Dieb bemerkte, dass er vom Mann verfolgt wurde, zog er die Brieftasche aus der Aktentasche und warf Letztere davon.
Der Ermittler berichtet außerdem von einem Streifzug durch die Innenstadt, auf dem die Jugendlichen nicht nur randalierten und Sachbeschädigungen begingen, sondern auch mit einer CO2-Waffe wahllos auf eine Fensterscheibe schossen, hinter der gefeiert wurde.
„Wir denken, dass durch die Ermittlungen eine Serie von Straftaten unterbrochen wurde, die sich zuletzt immer mehr zuspitzte und deren Folgen gar nicht abzuschätzen wären“, sagt Polizeisprecherin Yvonne Hanske.
Den erwachsenen Tatverdächtigen drohen nun bis zu fünf Jahre Haft. Auch bei den Jugendlichen rechnen die Ermittler mit einem hohen Strafmaß.