7. Prosawettbewerb 2012
Dichterwettstreit vom Institut für Germanistik der Universität Rostock und dem Literaturhaus Rostock
24. Januar 2012, von Stefanie
„Qualität setzt sich immer durch“, lautete das Fazit von Dr. Petra Porta, als sie Montagabend die Preisträger des 7. Prosawettbewerbes im Peter-Weiss-Haus vorstellte. Als Mitglied einer dreiköpfigen Jury aus jungen Literaturwissenschaftlern des Instituts für Germanistik hatte sie die Einsendungen für den Schriftstellerwettstreit zu bewerten und die Finalisten auszuwählen. Anonym, so die bewährten Regeln des Ausscheids, was dann immer wieder für Überraschungen sorgt. Am Ende wurden die drei besten Beiträge von altbekannten Gesichtern auf der Lesebühne präsentiert: Charlotte Quandt, Ronald Richardt und Martin Stegner.
Die alphabetische Reihenfolge, in der sie ihre Texte vorlasen, entpuppte sich am Schluss der Veranstaltung als Rangliste. Martin Stegner wurde nicht nur mit dem 1. Preis der Jury ausgezeichnet, sondern konnte auch die meisten Zuhörer begeistern und gewann so den Publikumspreis.
Wenn Echtheit zum Krampf wird, dann provoziert das schon einmal eine Schimpfkanonade, wie sich das namenlose Du in Martin Stegners Text „Du vergällst Karamel seinen Mercedes“ anhören muss. Dabei geht es nur vordergründig um die Ausschließlichkeit konformer und alternativer Lebensentwürfe. Vielmehr muss sich das Du seine überhebliche und isolierende Kompromisslosigkeit vorwerfen lassen. Soziale Beziehungen leiden darunter, der Schlüssel zum Glück. Das Ich sehnt sich nach Frieden, stattdessen gibt es nur Moralgelaber, wenn es beispielsweise um seine „Aversion gegen Tischdecken, Smartphones und Flüssigreiniger“ geht. Selber bringt er nichts zu Ende. Sein Engagement bleibt wirkungslos. Der Blick auf das große Ferne verstellt ihm die Sicht auf das Naheliegende. Darauf einzugehen, könnte eine Lösung sein. Anspruch und Wirklichkeit klaffen jedoch weit auseinander, stellt sein Freund – oder ist es sein Gewissen? – nicht ohne Mitleid und Sorge fest. „Jeder sollte sich darin wieder erkennen, sowohl im Du als auch im Ich. Es geht um Fragen, die uns alle betreffen“, kommentiert der Autor Martin Stegner seinen Text, in dem das Ich mal so richtig Dampf ablassen kann und das Du in einem Redeschwall mit treffenden Bildern charakterisiert.

Dafür erntete der 28-jährige Vorleser zwischendurch einige Lacher und zum Schluss viel Applaus. Über den konnten sich auch die anderen beiden Preisträger freuen.
Die 22-jährige Studentin Charlotte Quandt gehörte bereits im letzten Jahr zu den Preisträgern des Prosawettbewerbs. Um kein One-Hit-Wonder zu bleiben, beteiligte sie sich erneut. Diesmal mit ihrem Text „Kitschig“, einer Geschichte von der Begegnung zweier Menschen am Rande des Todes, die kurz bevor es rührselig werden könnte, endet.

Der 1980 geborene Ronald Richardt schreibt seit 1999 Kurzprosa und hat bereits 2007 erfolgreich am Prosawettbewerb teilgenommen. In diesem Jahr schrieb er sich mit „Gelehrte Geschichte“ auf den zweiten Platz und trug sie fast auswendig dem Publikum im PWH vor. Er erzählt darin von einem Königreich, in dem der Verlust eines Ohrrings weitreichende Folgen nach sich zieht. Das Land entmachtet sich bei dem Versuch, die Wahrheit zu belegen. Die skurrilen Beweise der Wissenschaftler scheinen aus dem Märchenbuch entnommen und auch sprachlich vermischt Ronald Richard die einfache Sprache der Märchen mit komplexen Formulierungen, wie sie für Gelehrte typisch sind.
Fast 30 Einsendungen gingen für die 7. Auflage des Prosawettbewerbs bei den Veranstaltern, dem Institut für Germanistik der Universität (IfG) und dem Literaturhaus Rostock, ein. Etwas weniger als in den Jahren zuvor, hat man doch erst spät mit der Bekanntmachung begonnen, so Jurymitglied Petra Porta. Obwohl vor allem innerhalb des IfG geworben wird, steht der Wettbewerb allen offen.