Baumfällungen für Radweg in Warnemünde bis Februar?
Trotz Protesten gegen die geplanten Baumfällungen hält das Amt für Verkehrsanlagen an seiner Planung für den Radweg in der Parkstraße Warnemünde fest
14. Januar 2020, von Olaf
Nach Demo und Erörterungstermin mit Ortsbeirat und Naturschützern soll es Ende des Monats ein weiteres Treffen geben, um die Eingriffe in den Baumbestand zu minimieren. Bis zur 11. Kalenderwoche sollen keine Bäume gefällt werden.
Das Amt für Verkehrsanlagen hält trotz Protesten gegen die geplanten Baumfällungen an seiner Planung für den Neubau des Geh- und Radwegs in der Warnemünder Parkstraße fest.
Für morgen ist zwar noch ein Erörterungstermin mit dem Ortsbeirat geplant, zu dem um 5 vor 12 eine weitere Demo vor dem Haus des Bauens und der Umwelt angekündigt ist, aber „die Fällungen in der Parkstraße sollen vertragsgerecht bis Ende Februar abgeschlossen werden“, heißt es aus dem Senatsbereich Bau und Umwelt. Der konkrete Beginn der Arbeiten hänge nur noch von der Verfügbarkeit eines Nachauftragnehmers ab. Die Ausschreibung der Bauleistung für den Geh- und Radweg soll noch in dieser Woche erfolgen.
Schmaler Weg – hohes Verkehrsaufkommen
Die Situation der Radfahrer in der Warnemünder Parkstraße beschäftigt Ämter und Anwohner bereits seit Jahren. Insbesondere im Bereich des Küstenwalds teilen sich Radfahrer und Fußgänger den schmalen Weg in beide Richtungen. Dazu kommen in der Saison zahlreiche Fußgänger, die den Weg vom Parkplatz und der Bushaltestelle zum Strand queren. Über 15.000 Kfz, 6.000 Radfahrende und mehr als 10.000 Fußgänger wurden an Spitzentagen gezählt – „das Konfliktpotenzial zwischen den Verkehrsteilnehmern ist extrem“, heißt es aus dem Senatsbereich Bau und Umwelt.
Einen Radweg gibt es hier bislang nicht. Der lediglich 2,50 Meter breite Fußweg sei zwar für Radfahrer freigegeben, allerdings nur noch übergangsweise, da ein Neubau in Aussicht gestellt wurde. Verkehrsrechtlich sei die aktuelle Situation eigentlich nicht zulässig, heißt es aus dem Amt für Verkehrsanlagen, das daher dringenden Handlungsbedarf sieht.
Getrennter Rad- und Fußweg geplant
Im Oktober 2019 stellte das Amt für Verkehrsanlagen die aktuellen Planungen im Ortsbeirat vor. Künftig soll es im Bereich des Küstenwaldes einen zwei Meter breiten gepflasterten Gehweg sowie einen drei Meter breiten asphaltierten Radweg geben – dazwischen ist ein Sicherheitsstreifen von 30 Zentimetern geplant.
120 Bäume müssen weichen
Für Unmut sorgte bei Einwohnern und Ortsbeirat die Ankündigung, dass in Höhe der Kleingartenanlage zwei Alleebäume und im Küstenwald etwa 120 Bäume gefällt werden sollen. Der Umwidmung wurde vom Landesforst bereits zugestimmt und auch die Ausgleichspflanzung ist bereits abgeschlossen, allerdings weit weg vom Seebad in der Rostocker Heide.
Wald ohne Bedeutung für Küstenschutz
„Aus rein küstenschutztechnischer Sicht hat dieses Wäldchen absolut keine Wirkung und keine Funktion“, stellt Dr. Lars Tiepolt klar, der im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (StALU MM) die Dezernatsgruppe Küste leitet.
Der Wald war in diesem Bereich viel eher da als der Küstenschutz, erläutert Tiepolt. In den 1960-Jahren wurde mit Lkws Sand in den Wald gefahren und eine Düne aufgeschüttet. Der Abschnitt galt zu DDR-Zeiten als neuralgischer Bereich, da hier bei einem Durchbruch eine Überflutung Warnemündes „von hinten“ drohte. Inzwischen wurden die Dünen u.a. mit Geotextildämmen so verstärkt, dass sie ausreichenden Schutz vor Sturmfluten bieten.
Weitere Baumfällungen für Promenade?
Begehrlichkeiten gibt es nicht nur für den Radweg auf der Straßenseite des Wäldchens, sondern auch von der Strandseite aus. Mehrfach wurde in der Vergangenheit der Wunsch laut, die Promenade entlang des Küstenwaldes zu verlängern. Bislang geht diese auf Höhe des Sportplatzes in einen unbefestigten Weg über. Konkrete Planungen gibt es bislang nicht, ein barrierefreier Ausbau bis zum Parkplatz „Strand Mitte“ an der Jugendherberge wäre jedoch wünschenswert.
Ausgeschlossen ist dieser Ausbau jedoch im Dünenbereich, erklärt Dr. Tiepolt. Dort gibt es einen Sicherheitsteil, der unbedingt stehen bleiben muss. In diesem letzten Bereich der Düne sind Einbauten nur möglich, wenn sie zum „Wohle der Allgemeinheit“ sind, so Tiepolt. Dies sei etwa bei einem Rettungsturm der Fall, nicht jedoch für eine rein touristische Nutzung wie bei einer Promenade.
Sollte es in der Zukunft eine Verlängerung der Promenade in diesem Bereich geben, müssten dafür wohl weitere Bäume des Küstenwaldes weichen. Und so forderte Mathias Ehlers vom bisherigen Warnemünder Umweltausschuss ein Konzept, wie der Küstenwald insgesamt erhalten werden soll.