Rostocker Seehunde eröffnen die Winterbadesaison
Anbaden bei „sommerlichen“ 15° Celsius am Warnemünder Ostseestrand
25. September 2010, von Phillip
An und für sich geht die Badesaison am Warnemünder Strand mit großen Schritten ihrem Ende entgegen. Für Viele dürfte sie sogar bereits beendet sein. Nicht so allerdings für die Rostocker Seehunde, denn wenn es dem Normalbürger zu kalt wird, um in die Ostsee zu steigen, fangen die Winterschwimmer gerade erst an, die Badehosen auszupacken.
Um die neue Saison gebührend zu eröffnen, hatten sich am heutigen Nachmittag etwa 40 Seehunde zum gemeinsamen Baden eingefunden, auch wenn das Wetter zum Glück noch nicht allzu winterlich war. Nach kurzem Posieren für die Presse und einem dreifachen „Eis frei“ begaben sich die Winterschwimmer ohne weitere Umschweife direkt ins Wasser, um ihrem kühlen Hobby zu frönen.

Sogar aus Neuruppin und Schwerin waren dazu Vereinsmitglieder angereist. Bei einer Außentemperatur von etwa 15° Celsius und einer nur geringfügig geringeren Wassertemperatur wird der eine oder andere womöglich sogar noch ins Schwitzen gekommen sein. Aber die mittlerweile 23. Saison für den Verein ist ja noch lang, sodass es noch genügend Gelegenheiten geben wird, bei eisigen Temperaturen ins Wasser zu steigen. Gebadet wird schließlich bis zum April des nächsten Jahres.

Der 1988 gegründete Verein der Rostocker Seehunde ist mit seinen 74 Mitgliedern deutschlandweit der größte seiner Art und darüber hinaus der einzige Winterschwimmerverein in Rostock. Bei so einer langjährigen Tradition haben die Vereinsmitglieder natürlich schon so einiges erlebt. Besondere Highlights waren dabei sicherlich die Weltmeisterschaft 2004 in Finnland, als es hieß, bei einer Außentemperatur von -44°C ins Wasser zu gehen oder auch das Baden in der -0.5°C kalten Ostsee im Februar diesen Jahres.

Auf die Frage, wie man so etwas überhaupt aushält, antworteten die Schwimmer praktisch einhellig, dass es in erster Linie Kopfsache sei. Letzten Endes muss man sich einfach überwinden. Augen zu und durch.
Dass sich die Erfahrung aber lohnt, beschreiben Ingelore Launert und Martina Hübsch: „Man fühlt sich, als ob man Bäume ausreißen kann.“ Eine gute Möglichkeit also für die beiden, um Spannung abzubauen oder neue Motivation zu tanken. Auf das Eisbaden würden sie jedenfalls nur ungern verzichten: „Irgendwann fehlt einem etwas, wenn man es nicht macht.“

Der Verein freut sich übrigens immer über neue Mitglieder. Wer sich von Kälte nicht so leicht abschrecken lässt, ist also herzlich willkommen. Interessenten können sich jeweils samstags und sonntags um 10 Uhr auch selbst einen Eindruck vom Winterschwimmen am Warnemünder Strand machen. Darüber hinaus wird es selbstverständlich auch in diesem Jahr wieder eine Reihe von zusätzlichen Terminen wie dem Weihnachts- oder Silvesterschwimmen geben.