Zwo, Eins, Risiko – Rostocks-offene-Bühne-Show
FreitagNachtFoyer begeistert mit Musik, Literatur und Schauspiel
30. Oktober 2010, von AndreFreitagabend, 22 Uhr. Eine Zeit, die man eher mit dem Studentenkeller in Verbindung bringt als mit dem Theater. Und doch hatten die ungefähr 100 Gäste im Foyer des Theaters im Stadthafen sicher mehr Spaß, als die Besucher der diversen Rostocker Clubs und Kneipen, zumal der Alkohol sogar umsonst gereicht wurde. Aber dazu später mehr.

Die Leitung des Abends übernahm Rawman, der in Begleitung von Beautiful Sweatlana und Ugly Katharina auch die Show eröffnete. Es gab den Titelsong „Zwo, Eins, Risiko! – Rostocks-offene-Bühne-Show“ zu hören. Rawman sang und spielte Gitarre, Sweatlana bediente das Akkordeon und Katharina hielt Zettel mit dem Text hoch. Nach dem Lied wurde das Publikum auf den Schlachtruf des Abends eingeschworen. Auf die Frage „Rostock, are you happy?“ sollte ein „Happy, Happy, Happy“ als Echo ertönen. Und natürlich haben die Zuschauer lautstark mitgemacht.
Rawman erzählte, wie er zu dieser Show kam. Er wollte in Rumänien Sweatlana heiraten. Dies wollte ihr Vater aber nicht. Da der jedoch Mafiachef ist, mussten die beiden fliehen, durch ganz Europa und endlich hier in Rostock haben sie einen Platz gefunden, wo sie bleiben können. Auch wenn der rumänische Akzent nicht ganz fehlerfrei war und der Schnurrbart verdächtig wackelte, war die Geschichte überzeugend.

Der erste Akteur auf der Bühne war ein alter Bekannter. Peter Thiers, der schon den Poetry Slam im ST veranstaltete, machte auch hier wieder eine gute Figur. Seine zwei geslammten Texten handelten vom Niedergang der deutschen Kulturlandschaft und dem Aufstieg von Krampfadlern.
Danach folgte eine Theatergruppe aus Polen, die ein Stück ohne Worte präsentierten. Zwei Personen saßen auf der Bühne, ließen sich ehrfurchtsvoll Handys bringen und verteilten sie am Ende im Publikum. Der Hintergrund? Keine Ahnung.

Nun war Publikumsbeteiligung gefragt. Es sollten Lieder eines Nasenflötisten erraten werden. Hits wie Hänschen Klein oder Final Countdown klingen durchaus eigenwillig auf diesem Instrument, weshalb das Erraten sichtlich schwerfiel. Der Gewinner bekam eine Freikarte für das Theater, die anderen bekamen Schnaps. Überhaupt wurde der Schnaps sehr großzügig verteilt. Für gutes Aussehen oder besonderes Klatschen gab es ein kleines Glas. „So ein Abend ist einfach leichter, wenn das Publikum betrunken ist“, verkündete Rawman.

Dann betrat Jörg Hückler die Bühne. Kenner des Theaters wissen, dass er seit 2010 der Chefdramaturg und Schauspieldirektor am Volkstheater ist. Er las die Geschichte von Julia und Anton vor, in der es darum geht, wie zwei Kinder ein Theater besuchen. Dabei waren Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen rein zufällig.
Doch Hückler sollte nicht der einzige Gast aus dem Ensemble des Volkstheaters bleiben.

Nach ihm betrat Stephan Fiedler das Podest. Der Schauspieler, der in der aktuellen Spielzeit zum Beispiel den Schimmelreiter spielt, ließ den Ärger heraus. Nicht seinen eigenen, sondern den von zwei Personen aus dem Publikum. Sie sollten eine Situation beschreiben, in der sie sich hätten ärgern wollen, es aber runtergeschluckt haben. Diese Szene stellte er dann lautstark auf der Bühne nach, was schon beim Zuschauen äußerst befreiend war.
Nach ihm folgte der schüchtern wirkende Mythto. Mythto heißt mit richtigem Namen Jörg Schulze und ist auch Schauspieler. Er hielt einen langen, philosophisch angehauchten, Monolog, der dann in einem Schwall aus „Deine Mutter“ Witzen mündete. Das war so herrlich flach, dass man schon wieder darüber lachen musste.

Als Nächstes durfte die polnische Theatergruppe wieder ran. In der zweiten Performance zeigten sie, wie man ohne Instrumente Musik machen kann. Mit Klatschen, Küssen und anderen Körpergeräuschen kam so ein ganzes lautmalerisches Orchester zusammen.
Dann ein weiteres Highlight. Die eigenwillige Zaubershow von Alexis Scharbernakis und seiner Assistentin Alexa Kakerlakis. Es gab drei Tricks, wenn man das Outfit nicht mitzählt, und der Höhepunkt war sicherlich die Schwebenummer mit Jörg Schulze. Vollkommen unwahrscheinlich natürlich, dass er eingeweiht war.

Der letzte Auftritt des Abends gehörte Theresa, die eine Diskussion zum Thema Trash eröffnen wollte. Mit ihrem sehr eingenwilligen Text hat sie es zumindest mal geschafft, viele Fragezeichen in das Foyer zu zaubern.
Abschließend gaben Rawman und Sweatlana noch einmal den Titelsong zum Besten und verkündeten, dass die nächste offene Bühne im Januar stattfinden wird, bei der dann auch verraten werden soll, wie Sweatlana ihr Auge verloren hat.
Kurz vor Mitternacht war die Show vorbei. Und was ich fast vermutet hatte, bestätigte sich. Rawman ist gar kein Rumäne, sondern Michael Ruchter, ebenfalls Schauspieler am Volkstheater. Er hat mit der Dramaturgin Janny Fuchs, besser bekannt als Beautiful Sweatlana, den Abend geplant und die Beiträge zusammengestellt. Er war froh, dass die Resonanz so positiv war und auch viele Leute mitmachen wollten.
Und auch bei der nächsten Show im Januar kann jeder, der etwas kann, wieder mitmachen. Einfach eine E-Mail an Janny Fuchs vom Volkstheater schicken und beschreiben, was man machen will. Zuschauen kann man aber einfach so, einfach die Programme vom Volkstheater im Auge behalten und auf das FreitagNachtFoyer achten.